Aus bisherigen Erfahrungen während der Corona-Pandemie ist inzwischen klar, dass bestimmte Risikofaktoren einen schweren Verlauf von Covid-198 fördern können. Dazu gehören ein hohes Alter, Vorerkrankungen wie Diabetes, Nierenprobleme, Bluthochdruck oder andere Herz-Kreislauf-Leiden, aber auch Fettleibigkeit. Doch immer wieder gibt es auch jüngere, gesunde Infizierte, die ohne diese Risikofaktoren schwer erkranken, umgekehrt verläuft Covid-19 bei manchen Menschen aus den Risikogruppen überraschend mild. Auf der Suche nach Ursachen haben Wissenschaftler bereits zwei genetische Faktoren identifiziert. Ebenfalls im Verdacht stehen schon länger Unterschiede in der Immunreaktion. Denn viele Patienten, die künstlich beatmet werden müssen oder an Covid-19 sterben, zeigen eine besonders starke Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe, was auf eine Überreaktion des Immunsystems hindeutet.
Unterschiede bei den Botenstoffen
Um den immunologischen Unterschieden auf den Grund zu gehen, haben nun zwei Forschergruppen unterschiedliche Aspekte der Immunantwort näher untersucht. Jérome Hadjadj von der Universität Paris und sein Team legten den Schwerpunkt auf Immun-Botenstoffe wie die Interferone und die Aktivität der ihre Freisetzung regulierenden Gene. Einige Interferone spielen eine entscheidende Rolle für die Bekämpfung viraler und bakterieller Erreger, andere, wie das Interferon-6, können aber auch überschießende Entzündungsreaktionen wie den sogenannten “Zytokinsturm” auslösen. Für ihre Studie analysierten die Forscher die Botenstoffkonzentrationen im Blut und die Genaktivität von 50 Covid-19-Patienten und 18 gesunden Kontrollen. Beim Vergleich von Patienten mit milden und kritischen Verläufen stellten sie tatsächlich signifikante Unterschiede fest: Bei schwerkranken Patienten fanden sich deutlich geringere Konzentrationen der sogenannten Typ-1-Interferone im Blut, zu denen auch Interferon-Alpha gehört. “Niedrige Plasmagehalte von Interferon-Alpha-2 waren signifikant mit einem erhöhten Risiko für eine Verschlimmerung zum kritischen Status korreliert”, berichten Hadjadj und sein Team.
Auch die Gene, die die Produktion dieser Botenstoffe ankurbeln, waren bei diesen schweren Verläufen deutlich weniger aktiv, wie die Analysen ergaben. Dafür war bei diesen Covid-19-Patienten die Produktion der Entzündungen fördernden Botenstoffe TNF-Alpha und Interleukin-6 deutlich hochreguliert. Nach Ansicht der Wissenschaftler ergeben sich damit klare immunologische Unterschiede zwischen eher milden und schweren Verläufen von Covid-19. Das Profil einer schweren, meist tödlich endenden Infektion ist demnach durch einen Mangel an Alpha-Interferonen gekennzeichnet und gleichzeitig eine überschießende Produktion von Interleukin-6 und TNF-Alpha. Das Interessante daran: Wir haben beobachtet, dass niedrige Plasmagehalte an Interferon-Alpha schon vor der Verschlimmerung des klinischen Zustands und dem Transfer in die Intensivstation auftraten”, so die Wissenschaftler. Dieses Wissen könnte sich demnach vielleicht dazu eignen, eine drohende Wende zu kritischen Verläufen schon frühzeitig zu erkennen.





