Bisher gibt es für die vom Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19 kein wirksames Heilmittel. Patienten mit schweren Verläufen können nur unterstützend behandelt und mit Sauerstoff versorgt werden. Deshalb suchen Wissenschaftler weltweit nach Arzneimitteln, die die Virenvermehrung hemmen und schwere Krankheitsverläufe verhindern können. Ein vielversprechender Kandidat ist dabei der vom US-Pharmakonzerns Gilead ursprünglich gegen das Ebola-Virus entwickelte Wirkstoff Remdesivir. Dieser blockiert die Virenvermehrung, indem er verhindert, dass Kopien der viralen RNA vervollständigt werden. Weil dieses Mittel im Tierversuch auch gegen die mit Sars-CoV-2 verwandten Coronaviren Sars-CoV und Mers-CoV wirkte, hoffte man, ihn auch bei Covid-19 einsetzen zu können.
Therapiezeitpunkt entscheidend?
Doch zwei im Februar 2020 begonnene klinische Studien mit Remdesivir erbrachten eher enttäuschende Ergebnisse: Zwar verkürzte sich die Krankheitsdauer bei den Patienten leicht, eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden erfuhren sie aber nicht. Allerdings: Beide Remdesivir-Studien wurden mit schwerkranken Patienten durchgeführt, bei denen die Covid19-Erkrankung schon weit fortgeschritten war und die beatmet werden mussten. In diesem Stadium aber sind viele Schäden bereits eingetreten und die vom Immunsystem verursachten Entzündungsreaktionen tragen zusätzlich zum schweren Verlauf bei. Deshalb vermuteten Wissenschaftler schon damals, dass ein Virenhemmer wie Remdesivir wahrscheinlich effektiver wirkt, wenn er früher im Infektionsverlauf gegeben wird. Genau das haben nun Brandi Williamson vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in einem Experiment mit Rhesusaffen ausprobiert.
Für ihre Studie infizierten sie zunächst zwölf Rhesusaffen mit Sars-CoV-2. Zwölf Stunden später erhielt die Hälfte der Affen eine erste Dosis von Remdesivir. Zu diesem Zeitpunkt steht die Virenvermehrung in der Lunge dieser Affen typischerweise kurz vor ihrem Höhepunkt. Die Anfangsdosis des Wirkstoffs lag bei zehn Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg). In den folgenden fünf Tagen bekamen die Affen täglich jeweils fünf mg/kg Remdesivir – diese Dosis entspricht in etwa dem, was man auch einem menschlichen Patienten geben würde, wie die Forscher erklären. Die Kontrollgruppe bekam stattdessen nur eine wirkstofffreie Salzlösung. Im Verlauf der Behandlung untersuchten Wissenschaftler regelmäßig den Zustand der Lunge, die Virenlast in Atemwegen und Lunge und die allgemeinen Symptome aller Tiere. Sie wussten dabei nicht, welche Affen behandelt worden waren und welche nicht.
Kaum Symptome, kein Virus mehr in der Lunge
Es zeigte sich: Die unbehandelten Rhesusaffen entwickelten wie erwartet Atemprobleme und ihre Lunge zeigte die für Covid-19 typischen Infiltrationen. Bei den Affen, die Remdesivir bekamen, war dies nicht der Fall: “Nur einer der sechs mit Remdesivir behandelten Affen hatte leichte Atembeschwerden”, so Williamson und ihre Kollegen. “Röntgenaufnahmen zeigten zudem signifikant weniger schwerwiegende Infiltrationen in der Lunge und eine geringere Beteiligung der Lungenflügel.” Schon zwölf Stunden nach der ersten Dosis war die Virenlast in der Lunge der Rhesusaffen zudem um das 100-fache gegenüber dem Ausgangswert gesunken. Drei Tage nach Beginn der Behandlung waren bei keinem dieser Affen noch Viren in Sekretproben der Lunge nachweisbar, wie die Forscher berichten. Allerdings: In der Nase und dem Rachen der behandelten Rhesusaffen verringerte sich die Menge der vermehrungsfähigen Viren nicht signifikant. Das könnte darauf hindeuten, dass die Affen-Patienten zwar dank Remdesivir weniger stark erkrankten, aber dennoch weiterhin infektiös blieben.





