In Deutschland leiden rund 20 bis 30 Millionen Menschen unter einem zu hohen Blutdruck – und längst nicht alle davon sind Senioren in fortgeschrittenem Alter. So weist beispielsweise jeder fünfte Mann im Alter von 40 bis 49 Jahren zu hohe Werte auf und selbst Kinder können schon unter zu hohem Blutdruck leiden. Beobachtungen im Zuge der Corona-Pandemie legen jedoch schon länger nahe, dass Bluthochdruck-Patienten zu den Risikogruppen für einen schweren Verlauf von Covid-19 gehören – möglicherweise, weil bei ihnen Blutgefäße und Herz oft schon vorgeschädigt sind. Hinzu kommt, dass die Medikamente gegen Bluthochdruck häufig am sogenannten Renin-Angiotensin-System ansetzen und die Wirkung des Blutdruckhormons Angiotensin 2 hemmen oder dieses Hormon schneller abbauen. Das wirkt einer Verengung der Gefäße entgegen und senkt so den Blutdruck. Doch das gleiche System spielt auch eine Rolle für die Infektion mit Sars-CoV-2: Das Virus nutzt einen Angiotensin-Rezeptor auf der Zelloberfläche, den sogenannten ACE2-Rezeptor, um in die Zellen einzudringen.
Doppelt so hohes Sterberisiko bei Bluthochdruck
Diese Beobachtungen geben schon länger Anlass zur Frage, wie hoch das Risiko für Bluthochdruckpatienten bei Covid-19 konkret ist und wie sich die Einnahme von Blutsdrucksenker auswirkt. Bislang gab es dazu aber nur wenige, stark variierende Aussagen. Weil viele Blutdruckpatienten aufgrund ihres Alters oder weiterer Erkrankungen wie Diabetes außerdem gleich in mehrfacher Hinsicht zu Risikogruppen gehören, war es bislang schwer, den konkreten Effekt allein des Bluthochdrucks aus diesen Daten zu ermitteln. Jetzt liefert eine der bislang umfangreichsten Studien zu diesem Thema mehr Aufschluss. Dafür haben Chao Gao vom Xijing Hospital die medizinischen Daten aller 2866 Covid-19-Patienten ausgewertet, die vom 5. Februar bis 15.März 2020 im Huo Shen Shan Hospital in Wuhan behandelt wurden. Von diesen Patienten litten 850 Personen – das entspricht 29,5 Prozent unter Bluthochdruck.
Der Vergleich der Krankheitsverläufe und Sterberaten ergab, dass 34 der 850 Blutdruckpatienten an Covid-19 starben, aber nur 22 von 2027 Patienten ohne Bluthochdruck. Das entspreche einem Verhältnis von vier zu 1,1 Prozent, berichten die Forscher. “Nach Berücksichtigung von anderen Einflussfaktoren blieb noch immer ein gut doppelt so hohes Sterberisiko für Bluthochdruckpatienten bestehen”, so Gao und seine Kollegen. Zudem verlief die Covid-19-Erkrankung bei den Patienten mit erhöhtem Blutdruck eher schwerer und sie mussten häufiger intubiert und beatmet werden. “Es ist daher wichtig, dass Personen mit hohem Blutdruck sich dessen bewusst sind, dass sie ein erhöhtes Sterberisiko bei Covid-19 haben”, sagt Gaos Kollege Fei Li. “Gleichzeitig muss diesen Patienten mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, wenn sie mit dem Coronavirus infiziert sind.”





