Bisher gibt es weder ein zugelassenes Heilmittel noch eine Impfung gegen den neuen Erreger Sars-CoV-2. In China und den USA laufen allerdings bereits klinische Studien mit Wirkstoffen, die die Virenvermehrung unterbinden und so schwere Verläufe von Covid-19 verhindern sollen. Ein Kandidat ist unter anderem das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Remdesivir. Sein Einsatz wird jetzt auch in Deutschland durch Tests mit Patienten erprobt. Doch neben der akuten Behandlung erkrankter Patienten geht es auch darum, die Coronavirus-Pandemie durch einen Impfstoff dauerhaft zu stoppen. Denn zurzeit befürchten Epidemiologen, dass sich der aktuelle Ausbruch selbst in der wärmeren Jahreszeit nur leicht abschwächen wird und dass im Herbst eine neue Infektionswelle bevorstehen könnte. Deshalb arbeiten Forscherteams weltweit an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Sars-CoV-2. Er soll das körpereigene Immunsystem vor einer Infektion dazu befähigen, den Erreger zu erkennen und eine Abwehr gegen ihn aufzubauen.
Im Falle des Coronavirus nutzen aktuelle Strategien vor allem Proteine aus der Virenhülle und das für die Bindung an die menschlichen Zellen nötige Spike-Protein als “Virus-Erkennungsmerkmal” – fachsprachlich Antigen. Die Art, wie das Immunsystem diese Vorab-Information über das Virus erhält, ist bei den zurzeit getesteten Impfstoff-Kandidaten unterschiedlich. Im klassischen Ansatz enthält ein Vakzin typischerweise abgetötete Viren, virale Proteine oder auch harmlose Viren mit aufgepflanzten Corona-Hüllproteinen als Antigen. Sie lösen dann die Immunreaktion und die Bildung von Antikörpern direkt aus. Diese Impfstrategie wird bisher bei den meisten Schutzimpfungen eingesetzt, beispielsweise gegen die saisonale Grippe oder Masern. Aktuell nutzen mehrere Forscherteams und Unternehmen diesen Ansatz. Ausgangspunkt sind dabei meist bereits entwickelte Impfstoffe gegen Influenza, Sars, Mers-CoV oder das Infektiöse-Bronchitis-Virus (IBV). Mittels Gentechnik werden deren Trägerviren so abgewandelt, dass sie nun Hüll- oder Bindungsproteine von Sars-CoV-2 tragen. Einen solchen Impfstoff entwickeln und testen zurzeit Forscher am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, am israelischen MIGAL-Forschungszentrum, in Großbritannien und auch beim Pharmakonzern Janssen in den USA.
mRNA-Vakzine: Der Körper macht das Antigen selbst
Als schnellere Lösung gilt allerdings die neue mRNA-Technologie. Bei dieser enthält der Impfstoff nicht das Antigen selbst, sondern nur die Bauanleitung dafür – in Form einer Boten-RNA. Als Basis für die mRNA-Sequenz dient das bereits im Januar 2020 von chinesischen Forschern entschlüsselte und veröffentlichte Erbgut von Sars-CoV-2. Die in dem Vakzin enthaltene mRNA wird von den Zellen aufgenommen und in den Ribosomen, den Proteinfabriken der Zelle, ausgelesen. Diese produzieren dann das entsprechende virale Protein oder Proteinstück und setzen es im Körper frei. Dann kann das Immunsystem auf dieses Antigen reagieren und entsprechende Antikörper bilden. Der Vorteil: Weil der Körper selbst das Antigen produziert und man nicht erst Trägerviren produzieren muss, kann dieser Impfstoff relativ schnell produziert und auch abgewandelt werden. Dieser Ansatz gilt daher als besonders vielversprechend und Impfstoff-Kandidaten nach diesem Prinzip sind bislang am weitesten fortgeschritten. Zu den aktuellen Entwicklern solcher Coronavirus-Vakzine gehören die jüngst von Donald Trump hofierte deutsche Firma CureVac und das US-Unternehmen Moderna.





