Noch immer breitet sich das Coronavirus Sars-CoV-2 weiter aus. Während die Zahl der Neuinfektionen in Südkorea, China und dem Iran inzwischen deutlich zurückgegangen ist, steigen die Covid-19-Fallzahlen in Europa und vor allem in den USA noch immer stark. Um eine Überlastung der Gesundheitssysteme zu vermeiden, haben die meisten Länder inzwischen strenge Infektionsschutzmaßnahmen eingeführt. Dazu gehören die 14-tägige Quarantäne von Covid-Erkrankten und Verdachtsfällen, aber auch das Verbot von Veranstaltungen, die Schließung von Schulen, Universitäten, nicht essenziellen Geschäften und Gaststätten. Zudem gilt das Gebot der sozialen Distanzierung, in manchen Ländern und besonders betroffenen Gebieten wurden sogar Ausgangssperren verhängt. Epidemiologen sind sich darin einig, dass es nur mit solchen drastischen Eingriffen in den Alltag gelingen kann, die Zahl der Neuansteckungen zu verringern und so die Infektionskurve flach zu halten.
Kontaktsperre über Monate nötig
Doch diese Maßnahmen gegen die Pandemie haben erhebliche negative Folgen für das öffentliche Leben, die Gesellschaft und die Wirtschaft. Daher stellt sich die Frage nach der Dauer dieses Ausnahmezustands: Wie lange müssen wir in diesem „Stillstand“ verharren, um die Pandemie einzudämmen? Und was passiert, wenn die strengen Maßnahmen wieder gelockert werden? Einen ersten Anhaltspunkt dazu lieferte vor kurzem ein Forscherteam um Neil Ferguson vom Imperial College London mithilfe einer Modellsimulation. Sie hatten am Beispiel von Großbritannien und den USA untersucht, wie wirksam Quarantäne, Schulschließungen, sowie die soziale Distanzierung entweder nur der gefährdeten Risikogruppen oder aber der gesamten Bevölkerung sind. Dabei zeigte sich, dass Quarantäne und die soziale Isolierung der Vorerkrankten und Älteren zwar die Zahl der Schwerkranken in den Intensivstationen um rund zwei Drittel verringern. Die weitere Ausbreitung des Coronavirus ließe sich allein damit aber nicht stoppen.
Dies gelingt nur, wenn die gesamte Bevölkerung Kontakte vermeidet und die Schulen geschlossen bleiben, wie die Forscher berichten. Dann kommt es rund drei Woche nach Beginn der Maßnahmen zu einem Absinken der Fallzahlen und die Übertragungsrate – die sogenannte Reproduktionszahl – sinkt unter 1. Das bedeutet, dass jeder Infizierte weniger als eine weitere Person ansteckt und die Ausbreitung des Virus dadurch zum Erliegen kommt. Doch die Modellsimulation ergab leider auch, dass diese strengen Maßnahmen mindestens drei Monate anhalten müssen – und dass bis zum Einsatz eines Impfstoffs gegen Sars-CoV-2 mindestens ein Teil der Maßnahmen bestehen bleiben müssen. Weil nach Lockerung der flächendeckenden sozialen Distanzierung die Fallzahlen zudem wieder steigen, muss diese strenge Kontaktsperre wahrscheinlich immer wieder zeitweise eingeführt werden.





