Die Corona-Pandemie hat das Jahr 2020 geprägt. Sie hat unseren Alltag und unser Sozialverhalten verändert, ganze Wirtschaftszweige an den Rand des Abgrunds gebracht und die Medizin vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig aber hat sie eine einzigartige wissenschaftliche Zusammenarbeit hervorgebracht. Denn mit Beginn der Pandemie und der Identifizierung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 haben Forschende weltweit gemeinsam daran gearbeitet, mehr über dieses Virus und die Krankheit zu erfahren. Parallel dazu begannen in gleich mehreren Ländern Forscherteams damit, an einem Impfstoff gegen das Coronavirus zu arbeiten. Ob dies überhaupt gelingen kann und wie lange dies dauern würde, war damals ebenso offen wie vieles andere. Noch im Februar 2020 sagte Anthony Fauci, Leiter des US National Institute of Allergy and Infectious Diseases: “Wir werden keine Vakzine einfach so aus der Tasche holen können.” Denn typischerweise dauere ein solcher Prozess sechs, sieben oder acht Jahre.
Pandemie brachte das Beste und Schlechteste
Umso herausragender ist die Tatsache, dass wir nun, ein gutes Dreivierteljahr später schon die ersten Impfstoffzulassungen und vielversprechende Ergebnisse weiterer Kandidaten haben. “Was für eine freudige Art, das Jahr 2020 zu beenden”, kommentiert “Science”-Redakteur Jon Cohen. “Nie zuvor haben so viele Konkurrenten so offen und häufig kollaboriert. Nie zuvor haben es so viele Vakzin-Kandidaten nahezu gleichzeitig bis zu großen klinischen Studien geschafft. Und nie zuvor haben Regierungen, Industrie, Wissenschaft und gemeinnützige Organisationen mehr Geld, Anstrengung und Gehirnschmalz in so kurzer Zeit in eine Infektionskrankheit investiert.” Dank dieser gemeinsamen Anstrengungen werden nun bereits die ersten Menschen gegen Covid-19 geimpft und auch bei uns könnte es noch Ende dieses Jahres losgehen. Um diesen Erfolg zu ehren, hat das Magazin Science die Entwicklung der Covid-19-Impfstoffe zum Durchbruch des Jahres 2020 gekürt.
Allerdings hat die Pandemie auch eine Schattenseite der modernen Gesellschaften enthüllt: das Erstarken von Verschwörungstheorien und absichtlichen Falschinformationen. Für das Science-Magazin ist dies der “Breakdown” des Jahres 2020. “So wie Videokonferenzen und Online-Shopping gewaltige neue Märkte erschlossen haben, während Schulen, Läden und Büros geschlossen blieben, so konnten Polarisierung, Politisierung und ein Medien-Ökosystem, das einfache Lügen über komplexe Wahrheiten stellt, von der großen Verunsicherung der Menschen profitieren”, sagt “Science News”- Autor Kai Kupferschmidt. “Für manche waren statt des Virus nun die Wissenschaftler der neue Feind.” Seiner Ansicht nach muss nun versucht werden, die Bande zwischen Wissenschaft und dem Rest der Gesellschaft wieder zu stärken.





