Weltweit sind zurzeit rund 250 verschiedene Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 in der Entwicklung. Unter ihnen sind nahezu alle denkbaren Impfstrategien, von klassischen Totimpfstoffen, die das abgetötete Virus enthalten, über Impfstoffe mit Trägerviren bis hin zu neuartigen Gentechnik-Vakzinen, die die Bauanleitung für Teile viraler Proteine in die Zellen einschleusen sollen. Auf diese sogenannten mRNA-Impfstoffe setzen unter anderem die in Deutschland ansässigen Firmen CureVac und Biontech sowie Moderna in den USA. 17 Impfstoffkandidaten befinden sich zurzeit in klinischen Studien mit menschlichen Probanden. Bisher geht es in diesen Phase-1 und Phase-2-Studien aber zunächst darum, die Verträglichkeit der Substanzen zu überprüfen und zu testen, ob sie die gewünschte Immunantwort bei den Empfängern auslösen. Als entscheidend für die Wirksamkeit eines Impfstoffs gilt, dass das Immunsystem als Reaktion auf die Vakzine genügend neutralisierende Antikörper produziert, denn nur diese Antikörper können das Virus am Zelleintritt und an der Vermehrung hindern. Zudem muss auch die zelluläre Immunantwort, beispielsweise in Form von T-Zellen, aktiviert werden.
Ad5: Erkältungsvirus schleust Spike-Bauanleitung ein
Jetzt haben zwei Forscherteams erste Ergebnisse zu zwei Impfstoffkandidaten veröffentlicht, die jeweils in Phase-2-Studien getestet wurden. Das Team um Feng Cai Zhu vom Jiangsu Provincial Center for Disease Control and Prevention in Nanjing verwendete für ihre Vakzine ein Adenovirus als Träger, das beim Menschen harmlose Erkältungen auslöst. Dieses Virus modifizierten sie gentechnisch so, dass es die Bauanleitung für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 trägt – des krönchenartig herausragenden Oberflächenproteins, mit dem das Coronavirus sich an die menschlichen Zellen bindet. Im Körper schleusen die Trägerviren die Bauanleitung in die Zellen ein und diese produzieren daraufhin die viralen Proteine, die dann eine Immunreaktion auslösen. Diesen Ad5 genannte Vektorimpfstoff verabreichten die Forscher 508 Probanden in unterschiedlichem Alter. 253 Teilnehmer erhielten eine hohe Dosis von rund 100 Milliarden Impfviren pro Milliliter Vakzin, 129 bekamen eine geringere Dosis von 50 Milliarden Impfviren und der Rest erhielt ein Placebo.
Durch Blutproben, die den Probanden 14 und 28 Tage nach der Impfung entnommen wurden, ermittelten Zhu und sein Team, wie stark die Immunantwort ausgefallen war. Demnach hatten am 28. Tag je nach Dosis 88 beziehungsweise 90 Prozent der Teilnehmer T-Zellen gegen Sars-Cov-2 entwickelt. Mehr als 96 Prozent wiesen Antikörper gegen das Virus im Blut auf. Als Nebenwirkungen entwickelten die Probanden vor allem Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle, aber auch Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist der Ad5-Impfstoff demnach immunologisch effektiv und verträglich. Allerdings: Gerade bei den älteren Teilnehmern fiel die Immunantwort deutlich schwächer aus. Wie die Forscher erklären, liegt dies daran, dass diese Personen im Laufe ihres Lebens schon Kontakt mit dem Adenovirus hatten und daher ihr Immunsystem dieses Trägervirus schon kennt. Dies hemmt offenbar auch die Wirkung des veränderten Ad5-Virus. “Weil gerade ältere Menschen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf und Tod bei Covid-19 haben, sind sie eine wichtige Zielpopulation für eine Impfung”, räumt Co-Autor Wei Chen vom Institut für Biotechnologie in Peking ein. Er und sein Team wollen nun testen, ob eine zweite Impfstoffgabe die Immunantwort älterer Personen auf das Vakzin verstärken kann.





