Die Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 trainieren das Immunsystem, bestimmte Oberflächenstrukturen des Coronavirus zu erkennen und darauf zu reagieren. Besonders wichtig sind dabei die sogenannten Spike-Proteine, mit denen das Virus an Zellen andockt, um in sie einzudringen. Durch Mutationen verändern sich aber auch diese Proteine, die dem durch die Impfung geschulten Immunsystem als Erkennungsmerkmal dienen sollen. Inzwischen sind verschiedene Mutationen bekannt, darunter aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien, die beginnen, sich weltweit zu verbreiten.
Schutz gegen britische Mutation wahrscheinlich
Ein Team um Alexander Muik von BioNTech hat nun in einer Laborstudie geprüft, inwieweit der von dem Unternehmen entwickelte Impfstoff auch gegen die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7. immunisiert. Dazu erzeugten sie Pseudoviren, die die Merkmale des ursprünglichen Stammes aus Wuhan trugen oder die Mutationen der Variante B.1.1.7. aufwiesen. Im Unterschied zu echten Viren konnten sich die für den Laborversuch verwendeten Viren jedoch nicht vermehren. Mit dem Blutserum von 40 Personen, die den BioNTech-Impfstoff während der klinischen Studien erhalten hatten, testeten die Forscher, in welchem Maße die Antikörper im Blut die beiden verschiedenen Typen von Pseudoviren neutralisieren konnten.
Ihr Ergebnis: Das Blutserum der Geimpften neutralisierte die mutierten Viren nicht ganz so effektiv wie den ursprünglichen Stamm, aber immer noch in ausreichendem Maße, um wahrscheinlich eine Immunität zu gewährleisten. Im Vergleich zur Wuhan-Variante war der Titer um etwa 20 Prozent geringer. „Basierend auf Erfahrungen mit Influenza-Impfstoffen deutet ein um 20 Prozent reduzierter Titer nicht auf eine biologisch signifikante Veränderung der Neutralisationsaktivität hin“, so die Forscher. „Das macht es unwahrscheinlich, dass die britische Virusvariante dem durch den BioNTech-Impfstoff vermittelten Schutz entgeht.“
Weitere Mutationen könnten Immunität beeinträchtigen
Bereits in einer vorangegangenen Studie, die auf dem Preprint-Server BioRxiv veröffentlicht wurde, hatten Forscher um Xuping Xi von der University of Texas getestet, in welchem Maße die Antikörper im Blut von Geimpften auf eine bestimmte Veränderung des Spike-Proteins reagieren. Diese N501Y genannte Mutation kommt sowohl bei der britischen als auch bei der südafrikanischen Variante des Coronavirus vor. Auch die Ergebnisse dieser Studie hatten bereits darauf hingedeutet, dass die neutralisierende Wirkung ausreichen müsste, um mutierte Viren abwehren zu können.
Anders als die Studie von Muik ging es hier aber nur um eine einzelne Mutation. „Es blieb die Frage, ob ein Virus mit dem vollständigen Satz an Mutationen in der Linie B.1.1.7, von denen jede potenziell die Antikörperbindung stören kann, von den Immunsera der Geimpften effizient neutralisiert werden würde“, so die Forscher.





