Das Konzept des persönlichen CO2-Fußabdrucks soll verdeutlichen, wie viele CO2-Emissionen jeder einzelne verursacht. Dabei fließen zum Beispiel die Treibhausgasemissionen durch Wohnen, Mobilität, Ernährung und sonstigen Konsum ein. Damit soll der CO2-Fußabdruck aufzeigen, in welchen Bereichen individuell CO2-Emissionen eingespart werden können. Das Konzept wurde vor allem seit Mitte der 2000er Jahre durch eine Marketingkampagne des Mineralölkonzerns BP bekannt und ist nicht unumstritten. „Es gibt zweifellos Gruppen, die die Verantwortung für die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen von den Unternehmen auf den Einzelnen abwälzen wollen, was problematisch ist“, sagt Ramit Debnath von der University of Cambridge.
CO2-Fußabdruck als Indikator sozialer Ungleichheit
Gemeinsam mit einem Team um Erstautor Kristian Nielsen von der Copenhagen Business School in Dänemark hat sich Debnath jedoch aus einem anderen Grund mit dem CO2-Fußabdruck beschäftigt: „Der persönliche CO2-Fußabdruck kann die tiefgreifenden Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern veranschaulichen und den Menschen helfen, zu erkennen, wie sie klimafreundlicher leben können“, erklärt er. Wie Daten der World Inequality Database zeigen, unterscheiden sich die CO2-Emissionen der ärmsten und reichsten Menschen und Länder stark. Inwieweit sich arme und reiche Menschen über diese Unterschiede bewusst sind, war allerdings unklar.
Nielsen und sein Team haben nun jeweils 1000 Menschen aus Dänemark, Indien, Nigeria und den USA befragt, wie sie den CO2-Fußabdruck der 50 Prozent ärmsten Menschen ihres Landes einschätzen sowie den der reichsten zehn und ein Prozent. Die Hälfte der Befragten pro Land zählte dabei zur Einkommensgruppe der obersten zehn Prozent, die andere Hälfte zu den restlichen 90 Prozent. Als Grundlage für eine qualifizierte Schätzung informierten die Forschenden die Probanden vorab über das Konzept des CO2-Fußabdrucks und nannten ihnen den die durchschnittlichen Pro-Kopf-CO2-Emissionen ihres Landes.
Diskrepanz unterschätzt
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Ungleichheit der CO2-Fußabdrücke weithin unterschätzt wird, und zwar unabhängig vom Land und Einkommenssegment der Teilnehmenden“, berichten die Forschenden. In allen Ländern überschätzten die Befragten die CO2-Emissionen der ärmsten 50 Prozent der Bevölkerung und unterschätzten die Emissionen der reichsten zehn und ein Prozent. Besonders ausgeprägt war diese Fehleinschätzung in Indien. Bei durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen von 2,2 Tonnen CO2 pro Jahr stößt das reichste ein Prozent der Bevölkerung 32,4 Tonnen CO2 pro Kopf aus, die ärmsten 50 Prozent dagegen nur eine Tonne pro Kopf.
Die höchsten Pro-Kopf-Emissionen und zugleich die größte Spanne zwischen den Emissionen armer und reicher Menschen verzeichnen die USA: Bei einem Landesdurchschnitt von 21,1 Tonnen CO2 pro Kopf macht der CO2-Fußabdruck der unteren 50 Prozent 9,7 Tonnen CO2 aus, der des obersten einen Prozents 269,3 Tonnen. Mit den echten Zahlen konfrontiert, gaben die meisten Befragten an, diese Ungleichheit als „etwas ungerecht“ zu empfinden. Wer selbst zur Einkommensgruppe der obersten zehn Prozent des Landes zählte, stufte die Diskrepanz allerdings als nicht ganz so ungerecht ein. „Das könnte daran liegen, dass sie versuchen, ihren größeren Kohlenstoff-Fußabdruck zu rechtfertigen“, so Debnath.





