Er kann Muskelverspannungen lösen, chronischen Schnupfen beseitigen, Nervenschmerzen zu Leibe rücken, Juckreiz lindern und die Körpertemperatur beeinflussen: Der Chili-Scharfmacher Capsaicin entpuppt sich aus Sicht der Medizin immer mehr als wahrer Tausendsassa. Und ein chinesisches Forscherteam um Zhiming Zhu von der Militäruniversität in Chongqing hat jetzt entdeckt: Die Substanz scheint sich bei regelmäßigem Konsum auch positiv auf den Blutdruck auszuwirken.
Zwar ist auch schon früher immer wieder über einen Zusammenhang zwischen Capsaicin und Blutdruckregulierung spekuliert worden. Die bisherigen Ergebnisse waren jedoch widersprüchlich – vermutlich, weil immer nur Kurzzeituntersuchungen durchgeführt wurden. In der neuen Studie fütterten die Mediziner Testratten, die genetisch bedingt zu Bluthochdruck neigten, sieben Monate lang täglich mit Chilis. Resultat: Der Blutdruck in der Chili-Gruppe normalisierte sich zusehends, während die Werte in einer Kontrollgruppe, die kein Capsaicin zu sich genommen hatte, unverändert blieben.
Grund für den Druckabfall: Capsaicin dockt an einen Rezeptor namens TRPV1 in der Wand von Blutgefäßen an und löst die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) aus. Dieses Molekül bewirkt, dass sich die Blutgefäße entspannen – der Blutdruck sinkt. Der Effekt sei zwar bisher nur bei Ratten nachgewiesen worden, sagen die Forscher. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass Chilis beim Menschen eine ähnliche Wirkung haben. So sei im Süden Chinas, wo scharfes Essen sehr beliebt ist, nur ein halb so großer Bevölkerungsanteil an Bluthochdruck erkrankt wie im Norden, wo kaum Chilis konsumiert werden.





