Cannabis aktiviert das Belohnungssystem, lindert Ängste und Schmerzen und sorgt für Entspannung. Doch wie wirkt sich die Droge langfristig auf das Gehirn aus? Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass viele Cannabinoid-Rezeptoren in Bereichen des Gehirns liegen, die für das Gedächtnis und die motorische Kontrolle verantwortlich sind. Doch was dort bei wiederholtem Konsum passiert, ist bisher erst teilweise verstanden. Viele bisherige Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse und hatten oft nur wenige Probanden.
Gedämpftes Arbeitsgedächtnis
Ein Team um Joshua Gowin von der University of Colorado in Aurora hat nun einen Datensatz von mehr als 1000 jungen Erwachsenen im Alter von 22 bis 36 Jahren ausgewertet. Diese absolvierten verschiedene kognitive Aufgaben, während ihre Hirnaktivität per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) aufgezeichnet wurde. Zudem machten sie Angaben zu ihrem Cannabis-Konsum und gaben eine Urinprobe ab, anhand derer ihr kürzlicher Konsum ermittelt wurde. Bei 106 Personen fiel dieser Urintest positiv aus. Rund die Hälfte dieser kürzlichen Nutzer waren Intensivkonsumenten, die eigenen Angaben zufolge in ihrem Leben schon mehr als 1000-mal Cannabis konsumiert hatten. Die Studie ist die größte, die bisher zu den Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn erschienen ist.
Das Ergebnis: 63 Prozent der Intensivkonsumenten zeigten bei Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis eine verringerte Aktivität in mehreren Hirnregionen. Dazu zählten Bereiche im präfrontalen Kortex und in der Insula – also Regionen, die an wichtigen kognitiven Funktionen wie Entscheidungsfindung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und emotionaler Verarbeitung beteiligt sind. Bekannt war bereits, dass diese Regionen eine hohe Dichte an Cannabinoid-Rezeptoren aufweisen. Die verringerte Aktivierung dieser Hirnareale durch intensiven Cannabiskonsum könnte den Forschenden zufolge somit ein Ergebnis neuronaler Adaption sein.
Veränderungen im Gehirn
Die abweichende Hirnaktivität zeigte sich auch bei den Intensivkonsumenten, die dem Urintest zufolge in letzter Zeit nicht gekifft hatten. „Dieses Ergebnis steht im Einklang mit Belegen dafür, dass starker Cannabiskonsum die Hirnaktivierung auch dann verändert, wenn kein aktueller Konsum vorliegt“, erklären Gowin und seine Kollegen. Doch auch dann, wenn die Hirnaktivität der Intensivkonsumenten während der Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis verringert war, unterschied sich ihre Leistung nicht signifikant von der anderer Testpersonen.
Nur Teilnehmende, bei denen der Urintest positiv ausfiel, die also innerhalb der letzten rund zehn Tage Cannabis konsumiert hatten, schnitten bei den Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis schlechter ab. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Verzicht auf Cannabis vor kognitiv anspruchsvollen Situationen die Leistung wahrscheinlich verbessert“, erklärt das Forschungsteam. Zu beachten sei dabei allerdings, dass gerade bei regelmäßigen Konsumenten auch ein kalter Entzug die Fähigkeiten beeinträchtigen könnte.





