Einen guten Einstieg ins Thema bietet auch das Buch von Guido Knopp und seinen Mitarbeitern, das die Grundlage der ZDF-Dokumentation zu diesem Thema bildete. Thematisch ähnlich wie der Band von Franzen angelegt, erreicht die Publikation durch eine Vielzahl von eindrucksvollen Zitaten und Bildern eine hohe Anschaulichkeit, wirkt jedoch in den Formulierungen manchmal reißerisch und bietet weniger Analyse.
Guido Knopp, Die große Flucht. Das Schicksal der Vertriebenen. Verlag Econ/Ullstein/List, Berlin/München 2001, 416 Seiten, € 25,–. Auch als Video, 5 Kassetten, ZDF Chronik 2002, € 69,95.
Erinnerungen Entgegen den Behauptungen zum Erscheinen des Buchs von Günter Grass „Im Krebsgang”, das sich mit dem Untergang der „Gustloff” auseinandersetzt, ist der Themenkomplex keineswegs völlig tabuisiert und verdrängt worden. Vielmehr gab es schon lange vor Grass eine ganze Reihe autobiographischer Zeugnisse von Betroffenen, die eindrucksvoll und präzise eigene Erlebnisse schildern und dem Leser spannende Einblicke in die damaligen Geschehnisse vermitteln. Zu nennen sind hier etwa die immer wieder neu aufgelegten Erinnerungen von Christa Wolf, Marion Gräfin Dönhoff, von Christian Graf von Krockow und von Hans Graf von Lehndorff.
Günter Grass, Im Krebsgang. Eine Novelle. Steidl Verlag, München 2002, 216 Seiten, € 18,–. Christa Wolf, Kindheitsmuster. Luchterhand Literaturverlag, München 2002, 593 Seiten, € 14,–. Marion Gräfin Dönhoff: „Namen die keiner mehr nennt.” Ostpreußen – Menschen und Geschichte. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2001, 132 Seiten, € 6,50. Christian Graf von Krockow, Die Stunde der Frauen. Bericht aus Pommern 1944 bis 1947. 10. Aufl. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 1998, 254 Seiten, € 17,40. Hans Graf von Lehndorff, Ostpreußisches Tagebuch. Aufzeichnungen eines Arztes aus den Jahren 1945-1947. Neuauflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997, 296 Seiten, € 10.
Die Vertreibung – Voraussetzungen Die Frage, wie es überhaupt zur Vertreibung von Millionen Deutschen kommen konnte, wird durch das Buch von Detlef Brandes beantwortet. Die Alliierten hatten sich das Konzept der “ethnischen Säuberung” zu eigen gemacht, das auf dem Gedanken beruht, Konflikte mit Minderheiten innerhalb von Nationalstaaten seien am besten durch “Homogenisierung”, d. h. durch die Aussiedlung der Minderheiten zu lösen. Pläne gab es für die Deutschen und Magyaren in der Tschechoslowakei seit dem Münchner Abkommen und für die Deutschen in Polen und den Ostgebieten seit Kriegsbeginn. Brandes zeichnet minutiös Pläne und Entscheidungsprozeß der Alliierten nach, in den auch die Exilregierungen der Tschechoslowakei und Polens mit einbezogen wurden.
Detlef Brandes, Der Weg zur Vertreibung 1938 – 1945. Pläne und Entscheidungen zum “Transfer” der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen. Oldenbourg Verlag, München 2001, 502 Seiten, € 34,80.




