Die zu Recht sehr gelobte Biographie von Rüdiger Safranski besticht durch die Fähigkeit des Autors, Schillers Leben, seine philosophischen Orientierungen und sein Werk schlüssig aufeinander zu beziehen. Besonders gut gelungen sind die Werkanalysen, die die innere Struktur der Texte und die Brisanz der Inhalte gleichermaßen gut herausarbeiten. Safranski erklärt, wie vielschichtig Schillers „Idealismus“ war und was die Modernität des Dichters ausmacht. Auch derjenige, der sich mit Schiller bis dahin schwertat – sei es wegen der pathosbetonten Sprache, sei es wegen Schillers Stilisierung zum nationalen Heros –, wird nach der Lektüre von Safranskis Buch mit neuer Lust zu den Texten des Klassikers greifen. Zu kurz kommt allerdings der zeitgenössische historische Kontext, aus dem heraus Schillers Werk doch auch verstanden sein will. Peter-André Alt, Friedrich Schiller. Verlag C. H. Beck, München 2004, 128 Seiten, € 7,90. Peter-André Alt, Friedrich Schiller. Leben – Werk – Zeit. Verlag C. H. Beck, 2. Auflage, München 2004, 2 Bände, 737 und 686 Seiten, € 34,90. Kurt Wölfel, Friedrich Schiller. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004, 187 Seiten, € 10,–. Rüdiger Safranski, Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus. Carl Hanser Verlag, München/Wien 2004, 560 Seiten, € 25,90.
Szenen eines Lebens Sehr persönlich und durch die vielen Zitate vor allem aus den Briefen Schillers und seiner Zeitgenossen angenehm konkret und lebensnah geraten ist die „Wanderung“ zu Schiller, die Sigrid Damm unternommen hat. Man vermeint förmlich am Gedankenaustausch des Dichters mit seinen Freunden und Weggefährten teilzunehmen, sieht ihn von alltäglichen Nöten und Geldsorgen geplagt. Ein Lektürespaß, der allerdings mit wenig analytischem Ehrgeiz verfaßt wurde und sich zudem nicht auf die Werkinterpretation einläßt. Es fehlen Quellennachweise für die Zitate und ein Register.
Ganz dem Dramatiker Schiller gemäß haben die Herausgeber Axel Gellhaus und Norbert Oellers ihren empfehlenswerten Bildband in 38 Szenen gegliedert. So begleitet der Leser und Betrachter Schiller bei wichtigen Stationen seines Lebens, etwa bei seiner Flucht aus Stuttgart, beim ersten Zusammentreffen mit Charlotte Kalb oder bei der Aufführung der „Braut von Messina“ in Bad Lauchstädt, der von Weimar aus betreuten Bühne in der Nähe von Halle. Es wird locker und dennoch kenntnisreich erzählt, die gute Bebilderung ergänzt die angenehme und informative Lektüre.
Sigrid Damm, Das Leben des Friedrich Schiller. Eine Wanderung. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2004, 500 Seiten, € 24,90. Axel Gellhaus/Norbert Oellers (Hrsg.), Schiller. Bilder und Texte zu seinem Leben. Sonderausgabe. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2004, 408 Seiten, € 29,90.
Schiller und die Frauen Während Goethe eher als Bonvivant gilt, der den Reizen des weiblichen Geschlechts keineswegs abgeneigt war, gehen bei Schiller die Meinungen auseinander. Die einen stilisieren ihn zum Asketen, die anderen sehen ihn auch von Liebesleidenschaft ergriffen. Und wie steht es mit der Behauptung, Schiller habe bei den Frauen seine häusliche Versorgung und psychische Stabilisierung, nicht aber geistige Stimulation gesucht? Schon der Titel des Buchs von Charlotte M. Werner, „Friedrich Schiller und seine Leidenschaften“, gibt die Richtung vor. Beginnend bei der Mutter, stellt die Autorin eine ganze Reihe von Frauen vor, die für das Leben Schillers bedeutsam waren. Diese mit ihrer eigenen Geschichte, nicht nur als Beiwerk einer Schiller-Biographie zu präsentieren, ist das größte Verdienst des manchmal oberflächlichen und vorschnell psychologisierenden Buchs.




