„So fest schlafen wie ein Murmeltier” – dieser Spruch ist hinlänglich bekannt. Doch gilt er auch für die geselligen Großnager selbst? „Nein”, meint Stam Zervanos von der US-amerikanischen Penn State University. Der Biologe hat vier Jahre lang 32 wild lebende Murmeltiere beobachtet und dabei Erstaunliches entdeckt: Im Spätwinter unterbrechen die Männchen ihren Winterschlaf, der etwa von Anfang November bis Anfang März dauert, um auf Brautschau zu gehen und ihr Revier zu inspizieren. Ein Murmeltier-Männchen entfernte sich sogar 300 Meter von seinem Bau, um ein Weibchen in der Nachbarschaft aufzusuchen und mit ihm zwei Tage zu verbringen. Dann zog es weiter, um ein anderes Weibchen zu „begutachten” – offenbar jedoch rein platonisch, denn laut Zervanos paarten sich die Tiere während dieser Besuche nicht. Am Ende des Ausflugs setzten alle drei Murmeltiere jeweils im eigenen Bau ihren Winterschlaf fort. Zervanos vermutet, dass die Männchen sich mit diesem Verhalten ihr Territorium sichern wollen. Die Weibchen haben so Gelegenheit, den möglichen Partner zu begutachten. Damit optimieren die Tiere die Bedingungen und das Timing für die Paarungszeit im März.
Hans Groth





