Verheerende Großbrände wie in den letzten Wochen in Colorado und Arizona können das Klima weltweit durcheinanderbringen. Denn die freigesetzten Rußteilchen stören die Wolkenbildung, berichtete Meinrat Andreae vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie kürzlich auf einer Tagung der American Geophysical Union in Washington D.C.
Andreae stellte bei Messungen im Amazonasbecken fest, dass dortige Waldbrände erhebliche Mengen Aerosol in die Atmosphäre freisetzten. Aerosole sind mikroskopisch kleine, feste oder flüssige Teilchen, zum Beispiel Staub, Sand, Ruß oder Pollen und Sporen. In Wolken dienen Aerosole als Kondensationskeime für Wassertröpfchen.
Allerdings verursachen mehr Kondensationskeime nicht unbedingt mehr Niederschlag: Je mehr Kondensationskeime entstehen, desto kleiner und leichter werden die Wassertröpfchen. Wenn sie zu leicht sind, regnen sie nicht ab, sondern die Wolke löst sich auf und die Tröpfchen steigen in größere Höhen, wo sie gefrieren. Auch diese “kalten Wolken” produzieren Niederschlag, aber möglicherweise anderswo, als es sonst aus den tiefer liegenden “warmen Wolken” geregnet hätte.
Andreae berichtete auf der Tagung, dass die Regenmenge in den Tropen, wo es am meisten brennt, im letzten Jahrhundert um 0,3 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen habe. In Europa und Nordamerika sei die Niederschlagsmenge dagegen in jedem Jahrzehnt um 0,5 Prozent angestiegen. “Es ist außerdem zu befürchten, dass die durch Brandrodung veränderte Wolkenphysik in den Tropen auch für mehr Stürme in Europa sorgen wird”, warnte der Forscher.
Ute Kehse





