Das Nervengift Botulinumtoxin (Botox) wird in der Kosmetik dazu verwendet, Gesichtsfalten zu glätten. Die Substanz wird unter die Haut gespritzt und lähmt dann bestimmte Gesichtsnerven. Schweizer Wissenschaftler haben jetzt ein weiteres Anwendungsgebiet gefunden. Das Team um Emmanuel Somm von der Universität Genf will nun mit Botox auch Menschen mit Riesenwuchs behandeln. An der sogenannten Akromegalie leiden allein in Deutschland schätzungsweise 3000 bis 6000 Menschen. Die Krankheit äußert sich durch übermäßig starkes Wachstum von Knochen und Gewebe. Grund ist eine Überproduktion des Wachstumshormons im Gehirn. Die Betroffenen haben eine verkürzte Lebenserwartung und ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Somm prüfte, ob Botox nicht nur Gesichtsnerven, sondern auch Zellen lähmen kann, die zu viel Wachstumshormon produzieren. Im Versuch an Ratten bestätigte sich die Vermutung. Die Ausschüttung des Wachstumshormons war bei Tieren, deren hormonbildende Zellen Botox enthielten, deutlich geringer. Sie waren kleiner und leichter als ihre unbehandelten Artgenossen. Für Somm gibt das Anlass zur Hoffnung, künftig die Hormonüberproduktion bei Menschen mit einer Akromegalie regulieren zu können.





