Ihre Träger waren einmal Diderot und seine Mitarbeiter an der berühmten Enyclopédie (1751–1780) und zum anderen der Salon des aus Deutschland gebürtigen Barons Paul Thiry d’Holbach, in dem sich die kritischsten Geister jener Zeit regelmäßig zum Gedankenaustausch trafen. Beide Bereiche überschnitten sich, zumal d’Holbach als Mitarbeiter an dem großen Lexikonunternehmen mit Diderot eng befreundet war. Bis 1756 war auch Rousseau, dessen schwierigen Charakter Blom nicht verschweigt, mit diesem Zirkel verbunden, während Voltaire (in dem man gemeinhin den eigentlichen „Aufklärer“ sieht), zu ihm Distanz hielt und ihn in seiner bekannten Eitelkeit madig zu machen versuchte. Der Reputation des Kreises, dem auch der Naturforscher Buffon, der Mediziner La Mettrie und der Kolonialkritiker Raynal angehörten, tat dies keinen Abbruch, zumal er mit der Zeit auch zu Intellektuellen in Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland, Italien und schließlich auch Russland in engere Verbindung trat.
Die Denker um d’Holbach bilden für Blom eine Wicked Society (so der Titel des englischen Originals), wobei das englische Wort wicked mehr als nur „böse“ bedeutet, sondern auch auf eine unmoralische, gottlose Einstellung anspielt. Denn gerade eine solche wurde diesen Philosophen von Seiten der Kirche wie des Staates vorgeworfen. Sie, die sich in der Tradition Descartes’, Spinozas und Newtons sahen, versuchten den Wunderglauben der Kirche als Irrtum zu entlarven, zugleich aber auch „Gott“ und „Natur“ in eins zu denken. Immer wieder zeigt sich, dass die Feindschaft der Kirche für die Verfechter solcher Ideen geradezu lebensgefährlich werden konnte.
Das Buch enthält nicht nur glänzende Porträts der führenden Mitglieder dieses Kreises, sondern auch fesselnde Schilderungen des geistigen Lebens im aufgeklärten Milieu von Paris, bis hin zum Zerfall des d’Holbach’schen Salons gegen Ende der 1770er Jahre. Die Revolution von 1789 ging über die Anregungen der radikalen Aufklärer hinweg. Ganz vergessen, wie der Autor den Leser glauben machen möchte, sind sie aber dennoch nicht.
Rezension: Prof. Dr. Michael Erbe




