Weltweit leben etwa 50 Millionen Menschen mit einer Demenz. Die am meisten verbreitete Form ist Alzheimer. Dabei lagern sich Proteine im Gehirn ab, die nach und nach zum Absterben der Nervenzellen führen. Bisher gibt es noch keine Therapie, die Alzheimer heilen oder die Hirnschäden rückgängig machen kann. Eine möglichst frühe Erkennung könnte aber dabei helfen, den Fortschritt zu verlangsamen und entsprechende Medikamente zu testen. Bisher etablierte Frühtests erfordern jedoch entweder eine Untersuchung des Liquors, der per Lumbalpunktion aus dem Rückenmark entnommen wird, oder einen aufwendigen und teuren Hirnscan. Kosten, Aufwand und Risiken begrenzen den Einsatz solcher Frühtests. Weniger teure und invasive Frühtests hingegen wären daher sinnvoll.
Blutmarker ähnlich aussagekräftig wie Liquoruntersuchungen
Einen solchen Frühtest haben nun Forscher um Nicholas Cullen von der Lund Universität in Schweden entwickelt. Dazu nutzten sie die Daten von insgesamt 573 Patienten und erhoben sowohl den Spiegel verschiedener Proteine im Blut als auch die Ergebnisse von Liquoruntersuchungen. Nach zwei und vier Jahren werteten die Forscher aus, bei welchen Patienten in dieser Zeit Alzheimer aufgetreten war. Auf dieser Basis entwickelten sie Computermodelle, die anhand der Blutergebnisse das Alzheimer-Risiko prognostizieren.
Zwei Proteine identifizierten Cullen und seine Kollegen als besonders aussagekräftige Biomarker: Das Protein P-tau181, das darauf hindeutet, dass sich die für Alzheimer typischen Plaques im Gehirn bilden, sowie das leichte Neurofilament (NfL), ein Protein, das bereits als Marker für neuronale Schäden bekannt ist. Misst man diese beiden Proteine im Blut, berechnet das von den Forschern erstellte Computermodell das Alzheimerrisiko mit einer Präzision, die bislang nur auf Basis von Liquoruntersuchungen und Hirnscans möglich war – zwei deutlich teurere und für den Patienten unangenehmere Verfahren. „Obwohl die Bedeutung der Biomarker je nach Kontext und angestrebtem Anwendungsgebiet variieren kann, sind die Biomarker aus dem Blutplasma vielversprechend, da sie leicht verfügbar sind und die Untersuchung wenig kostet“, schreiben die Forscher.
Online-Tool sagt Alzheimer-Risiko voraus
Um ihre Ergebnisse zu veranschaulichen, bieten die Forscher ein Online-Tool an. Gibt man hier Alter und Geschlecht des Patienten sowie die Ergebnisse eines standardisierten Tests der kognitiven Fähigkeiten ein, zeigt das Tool an, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Patient innerhalb von zwei oder vier Jahren an Alzheimer erkranken wird. Präzisiert werden die Ergebnisse, wenn man außerdem beantwortet, ob P-tau181 und NfL im Blut nachgewiesen wurden. Nach Angaben der Forscher ist das von ihnen entwickelte Modell bei Eingabe aller erforderlichen Daten in 89 Prozent der Fälle in der Lage, Patienten, die eine Demenz entwickeln werden, korrekt zu erkennen (Sensitivität). In 88 Prozent der Fälle gelingt es, Patienten, die innerhalb der nächsten vier Jahre nicht an Alzheimer erkranken werden, korrekt zu identifizieren (Spezifität).





