Patienten mit einem hohen Risiko für Thrombosen bekommen meist ein Medikament, dass das Blut verdünnt und so gefährliche Gerinnsel verhindert. Beispiel: Marcumar. Doch jeder Mensch reagiert anders auf diese so genannten Cumarine, was die Behandlung erschwert. Hier könnte ein einfacher Gen-Test bald Abhilfe schaffen.
Bisher ist für die Patienten die Dosisfindung eine gefährliche Gratwanderung: Wählen ihre Ärzte eine zu niedrige Dosis, drohen lebenswichtige Gefäße durch Gerinnsel zu verstopfen – Herzinfarkte oder Schlaganfälle sind mögliche Folgen. Dosieren sie zu hoch, kommt die Blutgerinnung komplett zum Erliegen, und es können gefährliche innere Blutungen auftreten, die in Deutschland fast 1000 Menschen jährlich das Leben kosten.
Cumarine werden bereits seit 40 Jahren eingesetzt, doch erst jetzt haben Mediziner der Universität Bonn herausgefunden, wie sie wirken und was für die unvorhersehbaren Reaktionen verantwortlich ist: Die Medikamente blockieren in Leberzellen das VKORC1- Enzym, das für die Bildung wichtiger Gerinnungsfaktoren benötigt wird. Dessen genetischer Bauplan kommt in der Bevölkerung in verschiedenen Varianten vor, die unterschiedlich empfindlich auf die Cumarine reagieren. Beispielsweise sprechen fast alle Asiaten, aber nur jeder zweite Mitteleuropäer auf niedrige Cumarin-Dosen an. Afrikaner benötigen dagegen meist hohe Dosen.





