Denn es ist die Geschichte einer couragierten, lebenspraktischen Frau, die in den Schrek-ken des Kriegsendes gelernt hat, sich mit drei kleinen Kindern durchzuschlagen, und die später in einer sie demütigenden und entmündigenden Ehe mit einem gewalttätigen Mann, aus der sie keinen Ausweg findet, zu einer chronisch kranken, depressiven Frau wird. Die persönliche Leidensgeschichte spiegelt zugleich die für Frauen restriktive Enge und die Doppelmoral der 50er und frühen 60er Jahre – in diesem Punkt unterschieden sich West- und Ostdeutschland nicht wesentlich – und weist damit über das individuelle Leid hinaus. Das Buch bildet so einen wichtigen Kontrapunkt zur Jubelgeschichte um Wiederaufbau im Westen, Wirtschaftswunder und Demokratisierung – eine beklemmende Innensicht der Nachkriegszeit.
Rezension: Talkenberger, Heike




