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Biofluoreszenz: Auch Feuersalamander leuchten
Erde & Umwelt

Biofluoreszenz: Auch Feuersalamander leuchten

Feuersalamander biofluoreszieren nach Bestrahlung mit UV-Licht grünlich. · Foto: Bernat Burriel-Carranza/ Museu de Ciències Naturals de Barcelona

Überraschende Entdeckung: Die gelb-schwarzen Feuersalamander zeigen nach Bestrahlung mit UV-Licht eine zuvor unerkannte Biofluoreszenz – sie leuchten türkis. Bauch und Seiten der Lurche zeigen dann hell leuchtende Sprenkel, wie Biologen entdeckt haben. Auslöser für dieses Leuchten sind offenbar bestimmte Moleküle in den Hautdrüsen, im Drüsensekret und im Blut der Tiere. Welche Moleküle dies sind und welche biologische Funktion diese Biofluoreszenz für die Feuersalamander hat, ist jedoch noch ungeklärt.
Autor
Redaktion
28. Mai 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Ob Waldohreulen, Geckos oder Eisbären: Sie alle besitzen die Fähigkeit zur Biofluoreszenz. Dieses Nachleuchten entsteht, wenn Moleküle in Haut, Fell oder Federn durch kurzwelliges Licht oder UV-Strahlung angeregt werden. Bei Rückkehr in den Grundzustand geben diese Moleküle die überschüssige Energie als sichtbares Licht wieder ab – die Tiere leuchten. Oft hält diese Fluoreszenz bis in die Nacht hinein vor.

Allerdings: Uns Menschen bleibt dieses subtile Fluoreszieren oft verborgen, weil es vom Tageslicht überstrahlt wird oder zu schwach ist, um von uns wahrgenommen zu werden. Deshalb galt die Biofluoreszenz lange Zeit als Eigenheit vor allem von marinen Tierarten und Arthropoden. Erst in jüngster Zeit haben systematische Tests enthüllt, dass auch viele Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere biofluoreszieren.

Fluoreszenz bei einem Feuersalamander
Fluoreszierende Sprenkel bei einem Feuersalamander aus Spanien. © Burriel-Carra et al./ Royal Society Open Science, CC-by 4.0

Mit UV-Blitzlicht auf Salamander-Pirsch

Jetzt haben Biologen auch bei einem der bekanntesten Lurche Europas eine Biofluoreszenz nachgewiesen: dem Feuersalamander (Salamandra salamandra). Obwohl dieser gelb-schwarz gefärbte Salamander zu den am besten erforschten und untersuchten Lurchen überhaupt gehört, blieb sein Fluoreszieren bisher verborgen. „Es ist faszinierend, dass eine so gut erforschte Art immer noch unbekannten Phänomene in sich birgt“, sagt Erstautor Bernat Burriel-Carranza vom Naturkundemuseum in Barcelona.

Entdeckt haben Burriel-Carranza und sein Team das subtile Leuchten des Feuersalamanders erst, als sie in zwei Wäldern in Spanien und Deutschland auf eine ganz besondere Salamander-Pirsch gingen: Sobald sie ein Tier erspäht hatten, lösten sie ein UV-Blitzlicht aus und fotografierten den Lurch mit einer speziellen Kamera.

Hell leuchtende Sprenkel

Die Aufnahmen enthüllten zahlreiche grünlich fluoreszierende Punkte auf der Haut der Feuersalamander. „Diese Fluoreszenz konzentrierte sich an den Flanken und in der Bauchregion der Salamander, dabei zeigten die gelb gefärbten Hautbereiche eine höhere Leuchtsprenkel-Dichte als die schwarzen“, berichten Burriel-Carranza und seine Kollegen. „Die stärkste Lichtemission lag bei Wellenlängen zwischen 465 und 515 Nanometern, was einer türkisgrünen Farbe entspricht.“

„Damit belegen unsere Beobachtungen, dass der Feuersalamander eine Biofluoreszenz zeigt, die auch für das menschliche Auge erkennbar ist“, schreiben die Biologen. Allerdings ist das Leuchten nur dann für uns stark genug, wenn die Salamander sehr intensivem UV-Licht ausgesetzt sind. „Das zeigt uns, dass selbst gut bekannte Lebewesen Geheimnisse hüten können, die sich erst offenbaren, wenn man sie mit neuen Methoden untersucht“, sagt Burriel-Carranza.

Die Beobachtungen könnten auch erklären, warum das grünliche Fluoreszieren der Lurche zuvor nie entdeckt wurde: Unter natürlichen Bedingungen ist die Anregung durch das UV-Licht der Sonne oder des Mondes zu schwach, um ein für uns sichtbares Biofluoreszieren zu erzeugen. Tiere mit hoher visueller Lichtempfindlichkeit können diese cyangrüne Fluoreszenz dagegen schon bei geringer Intensität wahrnehmen.

Biofluoreszenz
Die Biofluoreszenz konzentriert sich beim Salamander in den Hautdrüsen (GG, PG) und im Blut (BV). © Burriel-Carra et al./ Royal Society Open Science, CC-by 4.0

Die Fluoreszenz steckt im Drüsensekret

Nähere Analysen zeigten, wo der Feuersalamander sein Fluoreszieren erzeugt. Bei Tests im Labor fluoreszierten die Hautdrüsen des Salamanders und ihre Sekrete besonders stark. Aber auch das Blut der Tiere leuchtete bei UV-Bestrahlung grünlich auf, wie die Biologen feststellten. Sie vermuten daher, dass die verursachenden Fluoreszenz-Moleküle sowohl im Blut als auch in den Drüsensekreten der Feuersalamander zirkulieren.

„Das Vorhandensein dieser fluoreszierenden Verbindung war überraschend, da die Hautsekrete von Salamandern seit Jahrzehnten chemisch untersucht werden und uns keine veröffentlichten Berichte über Fluoreszenz bekannt waren“, sagt Koautor Andrés Brunetti vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Bayreuth. „Wir wissen noch nicht, um welche Verbindung es sich bei dieser Fluoreszenz handelt, aber alles deutet darauf hin, dass es sich um ein Molekül handelt, das bei dieser Art bisher unbekannt war.“

Wozu dient das Leuchten?

Ungeklärt ist ebenfalls noch, welche biologische Funktion die Biofluoreszenz bei den Feuersalamandern hat. „Die Fluoreszenz erfüllt mehrere Kriterien, die auf eine kommunikative Funktion hindeuten“, erklärt Koautor Martin Kaltenpoth vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. „Sie könnte Salamandern helfen, einander in der Nacht oder in besonders dichten Umgebungen wahrzunehmen.“

Denkbar wäre aber auch, dass das fluoreszierende Leuchten die Warntracht des Feuersalamanders ergänzen und verstärken soll. Seine auffällig gelb-schwarze Färbung signalisiert potenziellen Fressfeinden, dass dieser Lurch giftige Sekrete enthält und ungenießbar ist. Möglicherweise dient die Biofluoreszenz dazu, dieses Warnsignal auch in der Dämmerung oder bei Nacht zu übermitteln, so die Vermutung der Biologen. Sie hoffen, dass die chemische Identifizierung des Fluoreszenzfarbstoffs mehr Antworten darauf liefert. Das Team ist bereits dabei, die dafür nötigen Analysen durchzuführen.

Quelle: Bernat Burriel-Carranza (Museu de Ciències Naturals de Barcelona) et al., Royal Society Open Science, 2026; doi: 10.1098/rsos.251991

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