Die Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert präsentiert eine geordnete, von Christus umfangene Welt. Wo wir heute Niedersachsen verorten, zeigt sich selbstbewußt der Ort ihrer Entstehung – das eher kleine Benediktinerinnenkloster „Ebbekesstorp“. Wie selbstverständlich erscheint es neben Herrschaftszentren und heiligen Stätten als Ort der Rezeption und Vermittlung des theologischen, geographischen und naturkundlichen Wissens über die Welt. Wie hatten Frauenklöster in der Selbst- und Fremdwahrnehmung eine solche Position erreicht?
Das deutsche Wort „Kloster“ ist aus dem lateinischen claustrum abgeleitet und bezeichnet einen verschlossenen Ort, der „Mönch“ leitet sich ab vom griechischen mónos (allein) und bezeichnet einen Menschen, der außerhalb der Gesellschaft lebt. Bereits im 4. Jahrhundert hatten sich Einsiedler in der Hoffnung auf Selbstreinigung und Gotteserkenntnis in die ägyptischen und vorderasiatischen Wüstengebiete am Rand der urbanisierten Zonen zurückgezogen. Bald sammelten sich auf der Suche nach geistigen Lehrern zahlreiche Gleichgesinnte beiderlei Geschlechts um diese Einsiedler. Ihr Ziel war die Erkenntnis Gottes über den Weg einer sehr einfachen Lebensweise und ein intensives Studium der heiligen Schriften des Christentums. Diese Gemeinschaften lebten auf der Basis von Regeln zusammen, wie sie etwa der heilige Pachomius (um 292–347) schrieb. Er war nicht nur der Leiter mehrerer Männergemeinschaften, sondern bestimmte darüber hinaus seine Schwester zur Vorsteherin einer Frauenkommunität.
Die Idee frommer Gemeinschaften verbreitete sich im nördlichen Mittelmeerraum zum einen mündlich – etwa durch die gelehrten Kirchenmänner Athanasius (um 295–373) und Hieronymus (um 347–419/20), die in Rom und dem übrigen Italien berichteten, was sie im Nahen Osten gesehen hatten –, zum anderen auf schriftlichem Weg durch die Viten der Mönchsväter, an deren lehrreichen Vorbildern man sich orientieren sollte.
Um 400 waren es vor allem Frauen aus dem römischen Senatorenadel, die die Idee der abgeschiedenen, betenden und sich gegenseitig in der geistigen Vervollkommnung unterstützenden Gemeinschaften aufgriffen und auf ihren Landgütern realisier-ten – viele davon unter der Anleitung des Bischofs und Kirchenvaters Hieronymus. Einige, wie die Römerin Paula und ihre Tochter, zogen sogar zu den Stätten der Lebens- und Leidensgeschichte Christi rund um Jerusalem, um dort fromme Gemeinschaften aufzubauen.
In Irland nahmen etliche Herrscher der zahlreichen Kleinkönigtümer samt ihrer Gefolgschaft schon im 5. Jahrhundert das Christentum an. Männer- wie Frauenklöster entwickelten sich dort rasch zu den entscheidenden Zentren der kirchlichen Organisation und Verwaltung; viele Männerklöster übernahmen zunächst in Schottland, später auch in England, einen selbstgesetzten Missionsauftrag. Im Reich der Merowinger waren es daher irische Mönche, beseelt von der Idee der asketischen Heimatlosigkeit, die um 600 monastische Zentren aufbauten; angelsächsische Missionare setzten diese Tätigkeit im 8. Jahrhundert östlich des Rheins fort.





