Beteigeuze ist einer der Superstars am Nachthimmel: Mit seinem hellen Schein bildet er eine der Schultern des bekannten Sternbilds Orion. Schon lange steht der von uns etwa 700 Lichtjahre entfernte Himmelskörper mit dem rund 700-fachen Durchmesser der Sonne im Visier der Astronomie. Aus seinen Merkmalen geht hervor, dass es sich bei Beteigeuze um einen Roten Überriesen handelt – einen aufgeblähten Stern in der Endphase seiner Entwicklung. Beim Finale wird Beteigeuze sich noch weiter ausdehnen und sich dann schließlich nach einer Explosion in einen Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch verwandeln. Wann sich diese Supernova ereignen wird, ist allerdings unklar – vielleicht schon bald oder aber erst in vielen Jahrtausenden.
Einem berühmten Astro-Ereignis auf der Spur
Ein mögliches Vorzeichen könnte dabei eine Verdunklung des Sterns sein. Auch deshalb sorgten die Beobachtungen von Beteigeuze ab dem Dezember 2019 für großen Wirbel unter Wissenschaftlern sowie Amateur-Astronomen. „Wenn man nachts zu den Sternen hinaufschaut, scheinen diese winzigen, blinkenden Lichtpunkte ewig zu sein. Das Verblassen von Beteigeuze sprengt diese Illusion“, sagt Co-Autorin Emily Cannon von der Katholischen Universität Leuven. Im Verlauf weniger Wochen ging die Helligkeit des Sterns um zwei Drittel zurück, was mit bloßem Auge zu erkennen war. Doch anschließend erholte sich die Leuchtkraft: Im April 2020 hatte der Stern wieder seine normale Helligkeit erreicht. In ihrer aktuellen Veröffentlichung verdeutlichen Cannon und ihre Kollegen nun, was es mit dem Phänomen auf sich hatte.
Ihre Ergebnisse beruhen dabei auf Aufnahmen und Daten des SPHERE-Instruments sowie des GRAVITY-Instruments am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile, in deren Blickfeld Beteigeuze während der Verdunkelung stand. „Sie bildeten die entscheidenden Diagnosewerkzeuge, um die Ursache dieses Verdunkelungsereignisses aufzudecken“, sagt Cannon. Erstautor Montargès vom Observatorium in Paris sagt dazu: „Wir waren in der Lage, den Stern nicht nur als Punkt zu beobachten, sondern konnten Einzelheiten seiner Oberfläche auflösen und sie während des gesamten Ereignisses untersuchen. Die jetzt veröffentlichten Bilder zeigen erstmals klar, wie sich Beteigeuzes Oberfläche im Laufe der Zeit in ihrer Helligkeit veränderte“, so der Astronom.
Effekt einer „stellaren Blähung“
Die Wissenschaftler konnten dokumentieren, dass die mysteriöse Verdunkelung durch einen staubigen Schleier verursacht wurde, der die Südhalbkugel des Sterns abschattete. Aus den Daten und Modellierungen geht hervor, dass dies das Ergebnis eines Masseverlusts und anschließenden Temperaturabfalls auf Beteigeuze war. Wie die Forscher erklären, verändert sich die Oberfläche des Riesensterns regelmäßig, da sich gigantische Gasblasen im Inneren des Sterns bewegen, anschwellen und schrumpfen. Das Team vermutet, dass Beteigeuze vor der Verdunkelung eine dieser Gasblasen ausgestoßen hat.





