von RAINER KURLEMANN
Einmal in der Woche bringt die Paketpost gekühlte Gefäße mit einer trüben Brühe in das Labor von Emanuel Wyler. Der Wissenschaftler am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin hat sich auf die Analyse von kleinen Erbgut-Fragmenten spezialisiert. „Wir sind überall und permanent von Milliarden Kleinstlebewesen umgeben“, sagt Wyler. Sein Team analysiert, welche Viren, Bakterien und andere Mikroorganismen in unserer unmittelbaren Umgebung leben. „Wir verstehen diesen Kosmos noch viel zu wenig“, sagt der Molekularbiologe. Deshalb ist die regelmäßige Post für Wyler ein willkommenes Trainingsmaterial. Die trübe Brühe stammt nämlich aus den Kläranlagen Berlins. Es sind über den Tag hinweg gesammelte Proben aus dem Abwasser der Hauptstadt, entnommen in drei Klärwerken, deren Einzugsgebiet 84 Prozent der Berliner Haushalte repräsentiert.





