Viele Menschen finden Brillen lästig, oder sie halten sich ohne „Nasenfahrrad” für attraktiver. Seit etwa fünf Jahren können sich manche von ihnen ihre ursprüngliche Sehkraft quasi über Nacht zurückholen – vorausgesetzt sie sind kurzsichtig bis MAXIMAL sechs Dioptrien. Möglich machen dies so genannte Orthokeratologie-Linsen. Sie werden während des Schlafs wie normale Kontaktlinsen getragen und formen die Hornhaut so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Doch bislang war unklar, ob die Hornhaut ihre neue Form wirklich bei jedem Patienten den ganzen Tag über behält. Kritiker sahen die Linsen sogar als Verkehrsrisiko an. Sie befürchteten, dass ihre Träger nur morgens scharf sehen würden, aber am Feierabend die Heimfahrt vom Büro mehr oder weniger im Blindflug absolvieren müssten.
Ihnen ist jetzt der Wind aus den Segeln genommen worden. Der Physiker Dr. Andreas Berke von der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln hat 100 Träger der Nacht-Linsen untersucht: „ Im Durchschnitt nahm die Sehschärfe bis zum Abend nur um eine viertel Dioptrie ab. Das ist ungefährlich. Bei jeder zweiten Testperson blieb die Sehkraft sogar über 48 Stunden fast unverändert.” Bei keinem Patienten variierte die Brechkraft über den Tag so stark, dass er nicht mehr hätte Auto fahren dürfen.
Die Orthokeratologie-Linsen verdanken ihre große Formkraft ihrer besonderen Geometrie: Sie sind in vier konzentrische Zonen mit verschiedenen Krümmungsradien unterteilt. Daher bildet sich unter der Linse ein unterschiedlich dicker Tränenfilm, der über Nacht mittels hydrostatischer Zug- und Druckkräfte die Hornhaut in der gewünschten Weise abflacht und so deren Brechwert verkleinert.
Bereits in den Fünfzigerjahren gab es erste Überlegungen zu formenden Linsen. Aber nur mit computergestützten Herstellungsverfahren lassen sich die unterschiedlichen Krümmungen innerhalb einer Linse realisieren. Die diffizile Technik hat ihren Preis: Ein Linsenpaar kostet inklusive Anpassung bis zu 300 Euro. Etwa 1000 solcher High-Tech-Linsen passen deutsche Augenoptiker derzeit jährlich an. Zum Vergleich: Fast 90 000 Patienten lassen sich jedes Jahr die Hornhaut per Laser (Lasik-Verfahren) abtragen, um ohne Brille oder Kontaktlinsen auszukommen. Doch Andreas Berke moniert: „Die Langzeitfolgen dieses irreversiblen Eingriffs sind nicht abzusehen. Viele Laser-Patienten benötigen auch nach dem Eingriff eine Sehhilfe, und fast 40 Prozent klagen über trockene Augen.”
Die Orthokeratologie-Linsen sind seiner Überzeugung nach eine sichere Alternative. Setzt man sie wieder ab, wölbt sich spätestens zwei Wochen später die Hornhaut wieder in ihrer ursprünglichen Form. Bleibende Schäden, die die Sehfähigkeit verringern, sind also im Gegensatz zum Lasik-Verfahren nicht zu befürchten. Allerdings kommt etwa ein Viertel der Patienten mit den Haftschalen von Anfang an nicht gut zurecht und bricht die Testphase ab. Ein weiteres Problem: Bei einigen Patienten erscheint beim Autofahren aufgrund der Zonierung der Linsen ein Lichthof (Halo) um die Scheinwerfer anderer Autos – das geht auch den meisten Lasik-Patienten so. „Vernünftigerweise sollten sie auf die Linsen oder auf Nachtfahrten verzichten”, meint Berke. Dr. Ulrich Fricke
Medizinischer Fortschritt rettet Leben
In den letzten 20 Jahren haben sich die Überlebenschancen von Herzinfarktpatienten deutlich verbessert. Gründe sind eine bessere notärztliche Versorgung und neue Operationstechniken, die vor allem die Sterblichkeit am ersten Kliniktag senken. Beispielsweise stehen seit Ende der Achtzigerjahre Medikamente zur Verfügung, die die Blutgerinnsel in den verstopften Herzkranzgefäße auflösen.
COMMUNITY Internet
Ein Hersteller von Orthokeratologie-Linsen
www.technolens.de
Informationen über Sehhilfen
www.augeninfo.de
Kontakt
Dr. Andreas Berke
Höhere Fachschule für Augenoptik
Bayenthalgürtel 6–8
50968 Köln
www.hfak.de





