Die Arbeiten des zeitlebens kontrovers diskutierten Dichters wurden zum Teil schon in der Weimarer Republik zensiert, die Nationalsozialisten verbrannten gar seine Bücher und erklärten Brecht zur Persona non grata. 1933 ging er ins Exil, lebte und arbeitete unter anderem in Prag, Wien und Paris. Brecht, der sich selbst als „pazifistischen Bolschewisten“ bezeichnete, siedelte sich nach dem Krieg in der DDR an und wurde dort eher unfreiwillig zur Ikone der linken Intellektuellen. Seine positive und konformistische Grundposition zum sozialistischen Staat einerseits und seine engagierte und kritische gesellschaftspolitische Kunst andererseits machten ihn in Ost- und Westdeutschland zur schillernden Reizfigur. Jan Knopf, Professor für Literaturwissenschaft und Leiter der Arbeitsstelle Bertolt Brecht, hat sich bereits mit Biographien zu Johann Peter Hebel und Friedrich Dürrenmatt einen Namen gemacht. Sein neuestes Buch ist die erste große Biographie über Brecht seit der deutschen Wiedervereinigung. Die Biographie ist chronologisch nach den vier großen historischen Zäsuren in Brechts Leben aufgebaut: Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. Die Hauptabschnitte sind reich gegliedert und warten mit konzisen, die komplexe Persönlichkeit Brechts wie auch die Zeitumstände ausleuchtenden Texten auf. Präzise und mit Einfühlungsvermögen verknüpft der Autor das politische Geschehen und das Leben Brechts immer wieder mit Zitaten und Auszügen aus dessen Werken. Knopf ist ein kohärentes und abwechslungsreich geschriebenes Buch gelungen, das den Lesern Brecht und die Zeit, gegen die und für die er schrieb, näher bringt.
Rezension: Christian Volkholz




