Viren oder Bakterien vermehren sich in unserem Organismus am besten bei 37 Grad Celsius. Wird unser Körper nun heißer, verklumpen bei einigen Erregern wichtige Proteine mit der Folge, dass sie sich nicht mehr so gut vermehren können oder idealerweise gleich absterben. Steigt die Körpertemperatur allerdings über 40 Grad Celsius, wird die Situation für den Betroffenen ernsthaft bedrohlich, weil die Hitze dann wichtige Enzyme im Körper schädigt. Umso erstaunlicher ist es, dass laut Studien von Wissenschaftlern der Universität Witten/Herdecke eine Behandlung mit zusätzlicher Wärme in solchen Fällen effektiver ist als ein Abkühlen des Körpers – so widersinnig das auch klingt.
Neben der Beschleunigung biochemischer Abläufe hat Wärme über 40 Grad Celsius nämlich noch einen weiteren entscheidenden Effekt: Sie öffnet die Gefäße und führt so in den behandelten Körperregionen zur einer besseren Durchblutung – womit vermehrt Immunzellen herangeführt werden. Wissenschaftler konnten außerdem belegen, dass derartig hohe Temperaturen Wärmesensoren aktivieren und zugleich Schmerzrezeptoren blockieren. Mit anderen Worten: Wärme unterdrückt Schmerzen. Deshalb werden Wärmepflaster oder -salben auch erfolgreich bei Rücken- und Gelenkbeschwerden eingesetzt. Auf dieselbe Weise lindern höhere Temperaturen bei klassischen Erkältungskrankheiten mit Husten und Schnupfen wirksam die Beschwerden.
Dass Wärme bei Fieber hilft, ist aber eigentlich gar keine so neue Erkenntnis: In vielen Kulturen, speziell in Asien, sind bei der Behandlung fiebriger Patienten schon seit Langem Wärmeanwendungen wie heiße Fußbäder oder erhitzte Körnerkissen üblich.
Anhand einer Metaanalyse von Fieber-Studien aus aller Welt kommen die Forschenden der Universität Witten/Herdecke zu dem Ergebnis, dass laut etwa einem Drittel der Fachveröffentlichungen selbst höheres Fieber nicht mit Arzneimitteln gesenkt werden muss. Ja, man könne den Körper im Kampf gegen die Erreger sogar wirksam unterstützen, indem man ihn gleich bei den ersten Erkrankungssymptomen zusätzlich erwärme. Patienten berichten in diesem Zusammenhang einhellig von einer Verbesserung des Wohlbefindens, was allein schon am wesentlich seltener und milder auftretenden Schüttelfrost liegt. Und was die Forscher selbst erstaunt hat: Das Fieber steigt bei Patienten, deren Erkrankung von Anfang an mit Wärme behandelt wird, erst gar nicht so hoch an. Die Wissenschaftler geben daher sowohl Kindern als auch Erwachsenen den Rat, sich bei steigender Körpertemperatur warm angezogen mit einer Wärmflasche ins Bett zu legen und sich gut zuzudecken. Sehr empfehlenswert ist daneben für Patienten mit stabilem Kreislauf auch ein warmes Vollbad.





