Bauchfett kann hartnäckig sein und sich trotz Diät und Sport beim Abnehmen oft lange halten. Diese Fettdepots loszuwerden ist allerdings nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine medizinische Frage. Denn die „Rettungsringe“ gelten als besonders ungesund, weil sie entzündungsfördernde Substanzen freisetzen, die das Risiko für zahlreiche Krankheiten erhöhen, unter anderem Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Fettgewebe speichert nicht nur Energie – es fungiert auch als aktives Organ, das Signale sendet, die den gesamten Körper beeinflussen“, sagt Jiawei Zhong vom Karolinska Institut in Stockholm. Aber gilt das wirklich für alle abdominalen Fettpolster gleichermaßen? „Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass das Bauchfett einheitlich ist, obwohl es in Wirklichkeit aus mehreren unterschiedlichen Depots besteht“, so Zhong. Diese Depots variieren in ihrer zellulären Zusammensetzung. Doch was folgt daraus für ihre Funktion?
Bauchfett ist nicht gleich Bauchfett
Um das herauszufinden, haben Forschende um Zhong und ihre Kollegin Jutta Jalkanen nun die Fettpolster im Bauchbereich näher untersucht. Dafür kartierten und verglichen sie den Aufbau von verschiedenen abdominalen Fettdepots von acht Personen mit schwerer Fettleibigkeit. Während die Probanden eine Magenbypass-Operation erhielten, entnahmen die Forschenden Gewebeproben aus fünf Bereichen: dem Fettgewebe direkt unter der Haut sowie vier Gewebebereichen entlang des Magen-Darm-Trakts. Anschließend untersuchten sie deren zelluläre Struktur und molekulare Aktivität.
Die Analysen offenbarten deutliche Unterschiede in Aufbau und molekularer Kommunikation in diesen Abschnitten des Bauchfetts. Jedes Depot wies eine andere Zusammensetzung an Zelltypen auf, die nach einem gewebespezifischen und klar organisierten Schichtsystem positioniert waren. „Diese Ergebnisse unterstreichen die komplexe zelluläre Architektur und die funktionelle Vielfalt innerhalb verschiedener Fettgewebsdepots“, so das Team.
Fettgewebe am Dickdarm hat besondere Immun-Funktion
Am auffälligsten war dabei das sogenannte epiploische Fettgewebe entlang des Dickdarms: Es enthält zahlreiche Fettzellen eines Typs, der mit Entzündungen in Verbindung steht, sowie auffällig viele und verschiedenste Immunzellen, die dicht gepackt angeordnet sind. Bei den Depots unter der Haut und am Magen war dies hingegen nicht der Fall. Zudem scheinen die Zellen im Dickdarm-Fettdepot stärker miteinander zu kommunizieren, wie die Tests ergaben. Das legt nahe, dass dieses epiploische Fettgewebe eine besondere, bislang unbekannte Funktion hat.
Das Team vermutete einen Zusammenhang mit der Darmflora – den Mikroorganismen im Darm. Tatsächlich enthüllten nachfolgende Laborexperimente: Von Darmbakterien freigesetzte Entzündungsbotenstoffe – sogenannte Lipopolysaccharide und TNF-α – können die umliegenden Fettzellen dazu veranlassen, bestimmte Proteine zu produzieren, die auch von der Leber als Reaktion auf Entzündungen hergestellt werden. Diese Proteine namens SAA1 und SAA2 aktivieren wiederum die Immunzellen im epiploischen Fettgewebe, wie die Experimente ergaben. Das legt nahe, dass das Dickdarm-Fettdepot durch seine spezielle Architektur an den Darm und seine mikrobiellen Bewohner angepasst ist.





