Eigentlich dürfte es ihn gar nicht geben: Astronomen haben einen Stern entdeckt, der fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium besteht, der Anteil an schweren Elementen ist dagegen der geringste, der bislang verzeichnet wurde. Schon die Gas- und Staubwolken, aus denen ein solcher Stern entsteht, hätten sich nach dem gängigen astronomischen Verständnis gar nicht ausreichend verdichten können, sagt Studienleiterin Elisabetta Caffau von der Universität Heidelberg. Die Eigenschaften des Sterns wurden mithilfe der beiden Spektrografen X-Shooter und UVES am Very Large Telescope der ESO in Chile untersucht. Damit ist es möglich, das Licht von Himmelskörpern in seine Farbbestandteile zu zerlegen. Diese sogenannte Spektralanalyse lässt Rückschlüsse auf die Häufigkeit verschiedener chemischer Elemente in der Atmosphäre von Sternen zu. Der derzeitig gängigen Theorie zufolge entstanden nach dem Urknall anfangs nur leichte chemische Elemente wie Wasserstoff und Helium. Schwerere wie Sauerstoff, Kohlenstoff und Eisen, bildeten sich dagegen erst später im Inneren der Sterne und wurden dann bei deren Explosionen freigesetzt. Jede neue Sternen-Generation reicherte sich anschließend mit Elementen der früheren Sterne an. Der Anteil dieser Elemente an der Masse eines Sterns galt deshalb als Anhaltspunkt für sein Alter. Im Falle des neu entdeckten Sterns würde das bedeuten, er sei mehr als 13 Milliarden Jahre alt. ?Möglicherweise handelt es sich um einen der ältesten Sterne, der jemals gefunden wurde?, sagt Elisabetta Caffau. “Die Existenz dieses Sternes wirft nun viele Fragen auf, die vielleicht dazu führen, dass manche Modelle über die Entstehung von Sternen neu überdacht werden müssen?, meint die Astronomin. (Elisabetta Caffau, Universität Heidelberg, et al.: Nature, doi: 10.1038/nature10377)
Vom Kosmos in den menschlichen Körper: Für Menschen die unter hohen Cholesterinwerten leiden, gibt es nun einen heißen Tipp ? Austernpilze sollten ihren Speisezettel bereichern, denn die können die Blutfettwerte positiv beeinflussen. Das zeigt eine Studie der Leibniz Universität Hannover. Die Forscher untersuchten zwei Gruppen von Studienteilnehmern, von denen eine täglich Suppe aus getrockneten Austernpilzen löffelte und die andere Tomatensuppe. Bei der Pilz-Gruppe stellten die Experten neben einer Senkung der Gesamtcholesterin-Konzentration im Blut auch einen leichten Abfall des ungünstigen Cholesterins (LDL) fest, das maßgeblich für die Entwicklung einer Gefäßverkalkung verantwortlich gemacht wird. ?In Austernpilzen ist eine Substanz enthalten, die die Cholesterinsynthese hemmen kann. Außerdem enthalten sie relativ viele Ballaststoffe, die durch die Bindung von Gallensäuren im Darm, die zu 80 Prozent aus Cholesterin bestehen, zur Ausscheidung von Cholesterin beitragen?, erklärt Studienleiterin Inga Schneider den Effekt der gesunden Schwammerln. Zudem stellten die Forscher bei den Pilz-Essern eine deutliche Senkung der Triglyceride im Blut fest. Hohe Triglycerid-Werte gelten ebenfalls als Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall und können zu Entzündungen der Bauchspeicheldrüse führen. ?Somit kann der regelmäßige Verzehr von Austernpilzen zur Vorbeugung von Erkrankungen beitragen?, resümiert die Ernährungswissenschaftlerin. (Mitteilung der Leibniz Universität Hannover)
Wir bleiben appetitlich: Deutsche Forscher haben den Schoko-Code geknackt – 25 einzelne Aromen bilden den Geschmack, den viele Menschen so lieben. Separat betrachtet wirken die Komponenten, die das Forscherteam identifizierte, dagegen nicht gerade schokoladig: Würde man sie einzeln kosten, hätte man den Geschmack von Kartoffelchips, Schweiß, Pfirsichen, Gurken, gekochtem Fleisch und anderen seltsamen Aromen im Mund, berichteten sie jetzt auf einem wissenschaftlichen Kongress in Denver. “Um gutes Kakao-Aroma herzustellen, benötigt man rund 25 der insgesamt 600 leicht flüchtigen Verbindungen, die in der Kakaobohne vorhanden sind”, sagt Studienleiter Peter Schieberle von der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie in München. Der typische Schokoladengeschmack entstehe dagegen dann erst durch die Wechselwirkung dieser Aromen. Die Forscher sehen auch praktischen Nutzen in ihren Ergebnissen: Die Schokoladenproduktion habe sich bisher vornehmlich durch Versuch und Irrtum entwickelt. Die Substanzen hinter dem Geschmack seien dabei größtenteils unbekannt geblieben. Das Wissen um diese Geschmacksbausteine und ihre Veränderung im Laufe des Herstellungsprozesses könne nun dazu beitragen, “Designer-Schokolade” mit völlig neuen Geschmacksrichtungen und Aromen zu entwickeln. Neben den umfangreichen chemischen Tests führten die Forscher auch Geschmackstests mit Probanden durch. Dabei stellten sie jeweils unterschiedliche Kombinationen der Einzelaromen zusammen, um einen optimalen Schokoladengeschmack zu erzielen.
Vortrag auf der Jahrestagung der American Chemical Society in Denver)
Von süßen Leckereien zu hartnäckigen Klischees: ?Frauen können nicht einparken und haben sowieso Probleme bei der Orientierung?. Dieses Urteil lässt sich sogar statistisch belegen, haben Studien gezeigt ? doch US-Forscher sagen nun: Das liegt allein an der Erziehung und dem Einfluss der Gesellschaft. In einer vergleichenden Studie fanden sie heraus, dass in einer weiblich dominierten Kultur die Unterschiede zwischen Mann und Frau verschwinden. Die Forscher verglichen die Fähigkeiten zu räumlicher Vorstellungskraft bei zwei Stämmen im Nordosten Indiens. Der spannende Unterschied zwischen den Karbi und den Khasi ist, dass erstere eine patriarchal geprägte Gesellschaftsform aufweisen – Frauen dürfen kein Land besitzen, alles Hab und Gut wird an die Söhne weitergegeben und so weiter. Bei den Khasi hingegen entscheiden die Frauen, besitzen auch das Land und geben es an die jüngste Tochter weiter. Insgesamt 1.279 Vertreter beider Stämme nahmen an den Tests zum räumlichen Denken teil. Ergebnis: Männer des patriarchalischen Stammes brauchten um 36,4 Prozent weniger Zeit zum Lösen der Aufgaben als ihre Frauen. Bei den Testpersonen des frauendominierten Stammes gab es hingegen keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern – die Männer zeigten also keine bessere räumliche Vorstellungskraft als die Frauen. (Moshe Hoffman et al.: PNAS, doi:10.1073/pnas.1015182108)
Zum Schluss singen die Meisen ? und zwar etwas höher als üblich: Niederländische Forscher haben herausgefunden, dass in Städten männliche Kohlmeisen ihre Lieder in einer ungewöhnlich hohen Tonlage singen, um sich im Getöse bei ihren Partnerinnen Gehör zu verschaffen. Doch die clevere Lösung hat offenbar auch einen Haken: Meisendamen mögen keine Männer mit hohen Stimmen, sagen die Biologen um Wouter Halfwerk von der Universität Leiden. Singvögel haben den Forschern zufolge besonders mit dem menschlichen Lärm zu kämpfen, denn ein Großteil des der Geräusche ist tieffrequent – und damit in dem Klangbereich, in dem viele männliche Vögel um ihre Weibchen werben. Im Vergleich zu Naturschutzgebieten singen Meisen-Männchen deshalb in höhren Frequenzen, zeigten die Vergleiche der Forscher. Frühere Studien hatten bereits ergeben, dass weibliche Meisen allerdings eigentlich sonore Männerstimmen bevorzugen: Haben sie einen Partner mit hoher Stimme, gehen sie eher fremd. Meisen-Männer sind in der Stadt also im Dilemma, sagen die Forscher: Als Bass laufen sie Gefahr, überhört zu werden, als Tenor haben sie dagegen am Ende womöglich die Brut eines anderen Männchens im Nest. (Wouter Halfwerk, Universität Leiden, et al.: PNAS, doi:10.1073/pnas.1109091108)
wissenschaft.de – Martin Vieweg





