Die Evolution hat gepfuscht – und das auch noch beim Gehirn! Gary Marcus, Kognitionspsychologe an der New York University, rechnet ab: Unser Gedächtnis vergisst Wichtiges und erinnert sich dafür an Ereignisse, die nie stattgefunden haben. Wir glauben Dinge, die nicht wahr sind, und das aus absurden Gründen. Wir treffen Entscheidungen, die sich zwangsläufig rächen werden. Und die menschliche Sprache ist sowieso ein Hort mangelnder Logik, wo Missverständnisse programmiert sind.
Solche Thesen sind nicht gerade neu, doch Marcus trägt sie ungewöhnlich zugespitzt vor. Viele Evolutionspsychologen erklären mehr oder weniger überzeugend, warum unser schludriges Gedächtnis und unsere Denkfehler – etwa übertriebener Optimismus – beim Überleben helfen. Marcus dagegen ist überzeugt: Weil die Evolution keine Sprünge machen kann, gibt sie dummerweise dem urtümlichen Denksystem in unseren Köpfen zu viel Macht, obwohl inzwischen ein besseres rationales Denksystem existiert.
Lieber wäre es Marcus etwa, wenn sein Gedächtnis so organisiert wäre wie der Speicher seines Macs, der nie eine Telefonnummer vergisst. Doch dabei übersieht er, dass Computer Informationen nur stur speichern und nicht in der Lage sind, sie kreativ zu verknüpfen oder irgendetwas damit anzufangen, was man ihnen nicht vorher eingegeben hat.
Nicht zuletzt dank der einfachen Hauptthese, dass unser Denkorgan Murks ist, lässt sich das Buch leicht lesen. Es wartet mit einer Fülle interessanter Experimente auf, einem „Best of” der einschlägigen Studien. Die haben zwar schon viele populäre Bücher und Artikel geschmückt, aber dies hier ist eine griffige, kompakte Sammlung. Jochen Paulus
Gary Marcus MURKS Hoffmann und Campe, Hamburg 2009 260 S., € 22,–, ISBN 978–3–455–50105–6





