In der „Davidsstadt“ südlich des Tempelberges trafen sich im Sommer 2012 Archäologen, um bei einer Tagung über neue Funde aus dem ältesten Teil Jerusalems zu diskutieren. Neben interessiertem Publikum stand auch eine Hundertschaft Polizisten mit Schlagstöcken bereit. Vor Tagungsbeginn erschienen 70 jüdisch-israelische Demonstranten vor dem mit einer „Harfe Davids“ geschmückten Eingangstor. „Archäologie im Dienst der Rechtsextremisten“ stand auf einem ihrer Plakate. Ein Sprecher der angeblich „spontan“ organisierten Gruppe „Besorgte Bürger Jerusalems“ erklärte: „Die rechtsradikale Elad-Stiftung benutzt Tourismus, Archäologie und diese Tagung, um die Siedlungstätigkeit auszuweiten und palästinensische Bewohner des palästinensischen Viertels Silwan in Ost-Jerusalem zu vertreiben, ethnisch zu säubern.“ Und weiter: „Juden dürfen nicht in Ost-Jerusalem wohnen, weil Ost-Jerusalem eine palästinensische Stadt ist.“ Entnervt reagierte der Sprecher der Gruppe auf die Frage des Reporters, was denn mit den Juden sei, die hier vor 1948 gelebt hätten. Seine Antwort: „Die Zeiten sind vorbei. Das gilt nicht mehr. Juden haben in Silwan nichts zu suchen.“
Der Widerstand solcher linksgerichteter Israelis gegen archäologische Ausgrabungen im Osten der Stadt Jerusalem hat nichts mit Archäologie zu tun, er ist rein politischer Natur. Was an der Ausgrabungsstätte tatsächlich gefunden wird – hebräische Inschriften mit biblischen Namen oder andere mögliche „Beweise“ für eine jüdische Präsenz in biblischer Zeit –, stört besonders die Muslime. Die oberste islamische Verwaltungsbehörde, Wakf, ist für die muslimischen Heiligtümer auf dem al-Haram asch-Scharif (Tempelberg) verantwortlich. Gegenüber Besuchern leugnen ihre Mitarbeiter, dass da jemals ein jüdischer Tempel gestanden habe. Die Bibel sei sowieso eine „zionistische Erfindung“. Und das Ziel der Ausgrabungen sei ein Versuch der Juden, die drittheiligste Stätte des Islam nach Mekka und Medina zum Einsturz zu bringen. Dieses holzschnittartige Argument setzte in Jerusalem bereits Großmufti Hadsch Amin al-Husseini für seine Ziele ein, als er seine Anhänger zu den blutigen antijüdischen Gewalttätigkeiten von 1929 anstachelte. Und Palästinenserpräsident Jassir Arafat bediente sich ähnlicher Parolen für die im Jahr 2000 ausgelöste „Al-Aksa-Intifada“. Sie forderte über 8000 Tote.
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 12/2012.
Ulrich W. Sahm




