von FRANK FRICK
Die Chinesin Youyou Tu verdankt ihren Nobelpreis für Medizin einer ungewöhnlichen Lektüre. Sie hatte Ende der 1960er-Jahre mit der Suche nach einem neuen Malaria-Medikament begonnen. Die damals üblichen Wirkstoffe Chinin oder Chloroquin waren zunehmend unwirksam geworden: Immer mehr Krankheitserreger – einzellige Parasiten – waren inzwischen resistent gegenüber diesen Stoffen. Bei Versuchen mit Malaria infizierten Tieren erwies sich ein Extrakt der Pflanze „Einjähriger Beifuß“ (Artemisia annua) als möglicher Wirkstoffkandidat. Da die Ergebnisse aber widersprüchlich waren, durchforstete Youyou Tu antike Literatur über pflanzliche Heilmittel. Dabei entdeckte sie Hinweise, die ihr entscheidend halfen, einen Bestandteil des Extraktes – später Artemisinin genannt – zu isolieren und zu reinigen.





