Zeitlich wird das Buch durch die politischen Ereignisse des 1. vorchristlichen Jahrhunderts und einen Ausblick auf das Römische Reich nach Augustus eingegrenzt. Einleitende Informationen über die gewalttätige Zeit der späten Republik, darunter auch Caesars Werdegang zum Diktator auf Lebenszeit, sind wichtig, will man verstehen, wie Octavian, der spätere Augustus, seine Machtstellung rechtlich begründen konnte. Regional liegt der Schwerpunkt der Beiträge auf der Stadt Rom selbst, ein Artikel am Ende hebt jedoch auch die militärischen Operationen in Germanien zu augusteischer Zeit hervor.
Großen Raum nimmt die Konsolidierung von Augustus‘ Macht ein. Dabei verweisen die Autoren auch auf seine durch Rechtsbruch und Brutalität geprägten Maßnahmen zu dieser Zeit, so dass Augustus hier nicht als der tugendhafte und umsichtige Herrscher gezeigt wird, als den er sich selbst präsentierte.
Mehrere Beiträge befassen sich mit der Gesellschaftsordnung Roms zur Zeit des Augustus und welchen Einfluss er auf sie, aber auch auf die römische Verfassung und nicht zuletzt durch die Baumaßnahmen auf das Stadtbild nahm. Schließlich beleuchten die Autoren die Frage, inwieweit das von Augustus geprägte Prinzipat auch bei seinen Nachfolgern Bestand hatte.
Neben diesen „klassischen Fragestellungen“ in der Augustus-Forschung kommen auch andere Perspektiven zur Geltung, wie etwa der Blick des frühen Christentums auf das augusteische Imperium sowie der Einfluss des Herrschers auf zeitgenössische Dichter und deren Werke.
Entstanden ist ein schlüssiges Buch, das einen guten Überblick auf den Aufstieg des Augustus und dessen lange Herrschaft, aber auch die römische Gesellschaft seiner Zeit gibt. Die Autoren stimmen in ihren Deutungen nicht in allen Punkten überein, was zeigt, dass noch immer nicht das letzte Wort bei der Erforschung dieses berühmten Mannes gesprochen ist. Wie Helmut Halfmann in seinem Beitrag schreibt, kann man trotz aller Forschung ohnehin kaum bis zur wahren Persönlichkeit des Augustus vordringen.
Rezension: Debora Pape




