Wir sind in München: Mit Oskar Maria Graf, dem revolutionsbegeisterten Dichter, oder Josef Hofmiller, dem deutsch-national orientierten Gymnasiallehrer, soll der Leser zum „Passanten und Beobachter“ der Räterepublik werden. Das ist das Ziel, das der Journalist Michael Appel mit seinem Buch verfolgt. Es profitiert sehr von der Ausdruckskraft seiner Zeugen. Ausführliche Zitate aus vielen zeitgenössischen Berichten beschwören Zeitgefühl und Atmosphäre der Umsturzzeit in München herauf. Die Collage ist durchaus reizvoll, doch so stark, wie der Autor angibt, hält er sich selbst nicht zurück: Er schildert die revolutionären Ereignisse auch aus eigener Perspektive.
Appel verknüpft die dramatischen Vorgänge mit späteren politischen Entwicklungen: Adolf Hitler habe aus dem unmittelbaren Erleben der Münchner Räterepublik seinen unbändigen Hass auf Juden und „Bolschewisten“ abgeleitet. Dass die Revolution „Adolf Hitler hervorbrachte“, wie der Untertitel lautet, erscheint jedoch etwas überzogen.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Michael Appel
Die letzte Nacht der Monarchie
Wie Revolution und Räterepublik in München Adolf Hitler hervorbrachten
Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2018, 382 Seiten, € 28,–
Ulrich Dittmann/Waldemar Fromm
Oskar Maria Graf
Rebellischer Weltbürger, kein bayerischer Nationaldichter
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2017, 149 Seiten, € 12,95
Heidi Beutin/Wolfgang Beutin
Fanfaren einer neuen Freiheit
Deutsche Intellektuelle und die Novemberrevolution
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2018, 308 Seiten, € 49,95
Ralf Höller
Das Wintermärchen
Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919
Edition Tamat, Berlin 2017, 287 Seiten, € 20,–




