Der Film „Spartacus“ fußt auf einem Roman Howard Fasts, eines amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors, der – 1943 der „Communist Party“ der USA beigetreten – 1950 ins Fadenkreuz von Joseph McCarthys Komitee für unamerikanische Aktivitäten geriet. Der Autor, der wie Kirk Douglas einer Familie osteuropäischer Juden entstammte, wurde zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Während er hinter Gittern saß, trieb er sein Projekt eines Spartacus-Romans voran. Kaum fertig, landete das Werk prompt auf der Schwarzen Liste amerikanischer Verlagshäuser. So veröffentlichte Fast sein Buch im Selbstverlag. Der Roman war ihm, vor dem Hintergrund seiner Entstehungsgeschichte kaum verwunderlich, zum Plädoyer für die Ausgebeuteten und Entrechteten dieser Welt geraten. Er wurde, trotz der widrigen Umstände, ein Bestseller. Und Kubricks Ende der 50er Jahre entstandener Film wurde für die Opfer des McCarthyismus ein Wendepunkt, der ihre zügige Rehabilitation einleitete.
„Spartacus“ ist die Geschichte eines Imperialismus-Opfers, das sich nicht in die Unterdrückung fügen mag und zum Anführer einer Revolte wird, die das mächtige Rom erschüttert. Gerechtigkeitssinn, Loyalität und – natürlich! – die Liebe treiben den zum Gladiator gewordenen Sklaven in den Widerstand gegen die Weltmacht. Der Film stilisiert Spartacus zum Visionär, der mit seinem Kampf für ein Rom ohne Sklaverei eintritt. Der Zuschauer wird zum Zeugen genretypischer Monumentalschlachten; er fiebert mit den Gladiatoren, wenn sie in der Arena dem Tod begegnen; und er blickt, während er die Machenschaften jener verfolgt, die Roms Geschicke lenken, in Abgründe von Dekadenz und Korruption. Rom ist überall. Sklaverei ist überall. Aber auch Solidarität im Angesicht von Unrecht und Unterdrückung ist überall. So lautet der Subtext des Films „Spartacus“.
Fast und Kubrick ordneten, wie bei einem Monumentalfilm nicht anders zu erwarten, die historischen Fakten den höheren Zielen von spannendem Plot und prägnanter Botschaft unter. Woher aber schöpft die Forschung ihr Wissen über Spartacus? Und was berichten die antiken Quellen über den Rebellen, der etliche römische Spitzenbeamte und ein ganzes konsularisches Heer desavouierte?
„Zur selben Zeit überredete Spartacus, ein Thraker von Geburt, der einst als Soldat mit den Römern gekämpft hatte, aber dann gefangen genommen, als Gladiator verkauft und in der Gladiatorenschule von Capua ausgebildet worden war, ungefähr 70 seiner Kameraden, für ihre Freiheit zu kämpfen anstatt zur Belustigung der Zuschauer.“ Mit diesen Worten stellt Appian, Verfasser mehrerer historischer Werke, in seinen „Bürgerkriegen“ den Rebellenführer seiner Leserschaft vor. Für Plutarch , den gelehrten Biographen und Autor der Parallelviten berühmter Griechen und Römer, war Spartacus „ein Thraker nomadischer Herkunft, der sich nicht allein großer Kühnheit und Stärke rühmen konnte, sondern auch scharf von Verstand und umfassend gebildet war, mehr als es seinem Schicksal entsprach“. Er sei damit, resümiert der Grieche Plutarch in seiner Crassus-Biographie, „mehr Hellene als Thraker“ gewesen.




