Im Zeitalter der Industrialisierung sah man in den Mumien wirtschaftliche Potentiale. Man versuchte, aus Mumienbinden Papier herzustellen, wofür ganze Schiffsladungen mit Mumien nach Amerika verschickt wurden. In Ägypten verwendete man sie als Düngemittel oder Brennmaterial für die Eisenbahn. Es ist kaum abzuschätzen, wie viele Mumien, die mehr als 2000 Jahre in ihren Grabstätten eine letzte Ruhe gefunden hatten, auf solche Weise vernichtet wurden.
Waren sie schon früh fester Bestandteil von Kuriositätenkabinetten, kam es seit dem frühen 19. Jahrhundert in Mode, Mumien als exotische Ausstellungsstücke auf Jahrmärkten oder in Ausstellungen zu präsentieren. Hier wurden sie unter großer öffentlicher Anteilnahme ausgewickelt. Auch Museen erwarben nun vermehrt Mumien, die man vielfach auswickelte, um der miteingebundenen Amulette oder Papyri habhaft zu werden.
Gleichzeitig begann man, sich intensiver mit den Mumien selbst zu beschäftigen und ihre Herstellungstechnik sowie die religiösen Hintergründe zu studieren, woraus letztlich die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Mumien entstand. Obwohl dabei schon 1896 ein Röntgengerät zum Einsatz kam, blieb die Auswicklung des Körpers für die Klärung vieler Fragen unerlässlich. Heute macht es dagegen hochentwickelte Technologie im Bereich der Röntgendiagnostik und Computertomographie möglich, Mumien zerstörungsfrei zu untersuchen.
Der Beginn der Mumifizierungstechnik in vorgeschichtlicher Zeit stand wohl mit Beobachtungen bei zufällig aufgedeckten Grablegen im Zusammenhang: Bei in der Wüste bestatteten Menschen war der Körper durch Hitze und Trockenheit auf natürlichem Weg konserviert worden. Da man sich wohl schon in der prädynastischen Zeit die jenseitige Existenz sehr ähnlich zur diesseitigen vorstellte, scheint früh der Gedanke aufgekommen zu sein, man müsse im Jenseits über einen intakten Körper verfügen. Als man dazu überging, sozial höherstehende Personen in Grabbauten oder Tonsärgen zu bestatten, waren die Körper dem Wüstenklima nicht mehr direkt ausgesetzt, und der Leichnam begann schnell zu verwesen…
Ägyptische Mumien
Unsterblichkeit im Land der Pharaonen Landesmuseum Württemberg (Stuttgart, Altes Schloss)
6. Oktober 2007 – 24. März 2008
Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2007 bringt die Faszination Ägyptens nach Stuttgart. Präsentiert werden über 350 hochkarätige Objekte aus dem In- und Ausland zum Thema Mumien und Unsterblichkeit. Die Ausstellung fragt nach den kulturhistorischen Hintergründen sowie den Jenseits- und Glaubensvorstellungen der alten Ägypter – und sie zeichnet die Entwicklung der Mumifizierungstechniken nach, die in Ägypten zur Perfektion gelangten.




