Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass das Gehirn von Erwachsenen nicht mehr an Masse zunimmt, sondern dass es sich altersbedingt oder durch Krankheit zurückbildet. Forscher um Arne May von der Universität Regensburg und Christian Gaser von der Universität Jena haben jetzt das Gegenteil bewiesen. Die Neurologen teilten 24 Männer und Frauen von durchschnittlich 22 Jahren in zwei gleich große Gruppen auf. Die Mitglieder der einen Gruppe erlernten drei Monate lang das Jonglieren. Die Gehirne der Jongleure wurden vor und nach dem Training mit einem Magnetresonanztomographen gescannt und mit denen der untrainierten Freiwilligen verglichen.
Nach Abschluss ihres Trainings zeigte sich bei den Jongleuren eine deutliche beidseitige Vergrößerung der grauen Substanz in der linken hinteren Furche zwischen oberem und unterem Seitenläppchen, im so genannten Intraparietalen Sulcus. Diese Region ist darauf spezialisiert, Bewegungen von Objekten im dreidimensionalen Raum wahrzunehmen. Für die Wissenschaftler sind ihre Ergebnisse der Beweis dafür, dass sich – im Gegensatz zur bisherigen herrschenden Forschermeinung – durch Lernen die anatomische Struktur des erwachsenen Gehirns zum Positiven ändern kann. Allerdings: Nachdem die Jongleure mit dem Üben aufgehört hatten, bildeten sich die zusätzlich erworbenen grauen Zellen wieder zurück.
VERDREHTE ERGEBNISSE
Der Bonner Chemiker Guido Zadel ist seinen Doktortitel endgültig los. Zadel hatte Anfang der neunziger Jahre für großes Aufsehen gesorgt, weil er in seiner Dissertation behauptete, er könne bei einer Synthese die Drehrichtung der entstehenden Moleküle mit einem Magnetfeld beeinflussen. Dieser „Geniestreich” schien ein wichtiges chemisches Problem zu lösen: Linksdrehende Moleküle entfalten im Körper oft ganz andere Wirkungen als rechtsdrehende. Beide Formen sind spiegelbildlich zueinander aufgebaut, unterscheiden sich aber sonst nicht und sind nur schwer voneinander zu trennen. So erlangte das Medikament Contergan in den sechziger Jahren traurige Berühmtheit, weil sein Wirkstoff Thalidomid in der rechtsdrehenden Variante ein effektives und nebenwirkungsarmes Schmerzmittel ist, die linksdrehende Form jedoch zu schweren Missbildungen bei Embryonen führt.
Aufgrund der Ergebnisse Zadels setzte die Universität Bonn eine Kommission ein, die seine Experimente nachstellen sollte. Trotz mehrmaliger Versuche gelang dies nicht. Die Universität kam zu dem Schluss, dass Zadel geschickt getarnte Manipulationen durchgeführt hatte und erkannte ihm seinen Titel wegen wissenschaftlicher Fälschung ab. Dagegen klagte der Chemiker vor dem Verwaltungsgericht Köln, unterlag jedoch. Eine Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht Münster wurde jetzt erst gar nicht zur Entscheidung angenommen.





