von SIGRID MÄRZ
Mit gerade einmal vier Gramm ist der Hypothalamus ein Leichtgewicht, vor allem im Vergleich zum Gehirn insgesamt, das es auf etwa 1,4 Kilogramm bringt. Und dennoch enthält dieser winzige Hirnbereich neuronale Netzwerke, die lebenswichtige Funktionen unseres Körpers steuern. So sitzt im Hypothalamus mit dem suprachiasmatischen Nukleus die Schaltzentrale unserer inneren Uhr, die unseren Wach-Schlaf-Zyklus überwacht.
Außerdem koordiniert der Hypothalamus den Salz- und Wasserhaushalt und damit auch unseren Blutdruck, er reguliert Körpertemperatur sowie Stress-, Gefühls- und Sexualverhalten und sorgt dafür, dass wir über unsere Nahrung ausreichend Energie erhalten. Dabei wirken Rückkopplungsschleifen: Etwas geschieht im Körper, der Hypothalamus nimmt dies wahr und reagiert darauf.
Beispielsweise sitzen im Hypothalamus Rezeptoren für das „Sättigungshormon“ Leptin, das hauptsächlich von weißem Fettgewebe gebildet wird. Sind die Energiespeicher in den Fettzellen gut gefüllt, steigt der Leptin-Spiegel im Blut. Die Bindung an den Leptin-Rezeptor (LEPR) sorgt dafür, dass Nervenzellen Melanozyten stimulierende Hormone ausschütten, die wiederum an den Melanocortin-4-Rezeptor – ebenfalls im Hypothalamus – binden. Über diese Kaskade signalisiert Leptin dem Gehirn: keine weitere Nahrung nötig. Mit sinkendem Leptin-Spiegel kommt der Hunger, denn die Aktivierung durch das Hormon bleibt aus.
Vereinfacht gesagt: Der Hypothalamus sorgt dafür, dass unser Körper sich im Gleichgewicht befindet, etwas, das Fachleute als Homöostase bezeichnen. Das macht der neuronale Winzling aber nicht allein, sondern mithilfe von anderen Nervenzellen und Hirnregionen, etwa der Hypophyse, sowie einer Schar von Botenstoffen. Hier sind besonders Hormone zu nennen, über die der Hypothalamus mit entfernten Organen und Geweben kommuniziert.
Auch wenn der Hypothalamus keine endokrine Drüse ist, stellt er Hormone her. Etwa das Gonadotropinfreisetzende Hormon (GnRH), das die Hypophyse dazu anregt, das Follikelstimulierende (FSH) sowie das Luteinisierende Hormon (LH) zu bilden. Diese wiederum fördern bei Frauen die Reifung der Eizelle sowie den Eisprung und beim Mann die Spermienbildung.
Zur erbsengroßen Hypophyse, die wie ein Anhängsel an der Unterseite des Gehirns baumelt, hat der Hypothalamus einen direkten Draht, den Hypophysenstiel. Und so laufen viele Ansagen des Hypothalamus über die Hirnanhangdrüse.
Antwort auf Stress
So auch eine Kaskade, die den etwas sperrigen Namen Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenachse trägt, kurz: HHNA oder Stressachse. Auf das Corticotropinfreisetzende Hormon aus dem Hypothalamus reagiert die Hypophyse mit der Produktion des Adrenocorticotropen Hormons (ACTH) und stimuliert so die Nebennierenrinde, Cortisol zu produzieren.





