Wir Menschen fangen, züchten und töten Tiere, um sie zu essen. Dazu gehören neben Säugetieren wie Kühen und Schweinen und Geflügel auch Delikatessen wie Garnelen, Hummer, Krabben und Krebse. Im Gegensatz zu den Wirbeltieren ist es bei den Krebstieren allerdings erlaubt, sie bei lebendigem Leib zu zerlegen oder in kochendes Wasser zu werfen. Denn Schalentiere fallen in der EU nicht unter die Tierschutzvorschriften. Die Annahme dahinter: Krebstiere fühlen keinen Schmerz. Doch mehrere Beobachtungsstudien legten bereits nahe, dass das nicht stimmt. Denn die Tiere reagieren auf unangenehme Berührungen, Elektroschocks und Säure, indem sie die betroffen Körperstelle berühren oder reflexartig von der Gefahr wegziehen.

Hirnaktivität verrät Schmerzsignale
Ob und wie Krebse Schmerzen fühlen, hat nun ein Team um Eleftherios Kasiouras von der Universität Göteborg genauer überprüft. Dafür haben die Tierphysiologen erstmals mittels EEG-Messungen die Gehirnaktivität von 20 Strandkrabben (Carcinus maenas) gemessen, während sie deren Weichteile an Scheren, Beinen, Antennen und Augen verschiedenen Reizen aussetzten: Säure in unterschiedlichen Konzentrationen und feine Von-Frey-Haare mit unterschiedlicher Stärke.
„Wir stellten eine Zunahme der Gehirnaktivität fest, wenn wir eine potenziell schmerzhafte Chemikalie, eine Form von Essig, auf die Weichteile der Krabbe auftrugen. Das Gleiche geschah, als wir Druck von außen auf mehrere Körperteile der Krabbe ausübten“, berichtet Kasiouras. Diese Hirnreaktion war bei körperlichem Stress kürzer und stärker als bei chemischem Stress, der länger anhielt. Im Gegensatz zu den Scheren, Beinen und Augen reagierten die beiden Antennenpaare nur auf die chemischen Reize und nicht auf Berührungen. Die Intensität der Hirnsignale war bei allen getesteten Tieren vergleichbar.
Die Zoologen schließen daraus, dass die Krabben empfindliche Schmerzrezeptoren, sogenannte Nozizeptoren, in ihren Weichteilen haben, die bei Gefahr Nervensignale an das Gehirn senden. Demnach spüren die Strandkrabben tatsächlich echte Schmerzen. Der Schwellenwert, ab dem eine Berührung der Krabbenweichteile ein Schmerzsignal auslöste, war zudem deutlich niedriger als bei Menschen, wie das Team berichtet. Die Augen und Beine der Krabben reagierten im Van-Frey-Test bereits ab einer ausgeübten Kraft von 0,008 Gramm –, die Scheren ab 0,16 Gramm. Bei Forellen liegt dieser Schwellenwert für Schmerzempfinden bei 0,1 Gramm, bei Menschen bei 0,6 Gramm.





