Beschrieben wurde dieser Nasenzyklus erstmals 1895 vom Breslauer Arzt Richard Kayser in einer Abhandlung mit dem Titel „Die exacte Messung der Luftdurchgängigkeit der Nase“. Darin finden sich zahlreiche Messergebnisse im Hinblick auf das Volumen der zu einem bestimmten Zeitpunkt durch das linke und rechte Nasenloch strömenden Luft. Doch was man vergeblich sucht, ist eine stichhaltige Erklärung. Seither haben sich viele Wissenschaftler mit dem Phänomen beschäftigt und dazu mehrere Studien erstellt. Doch abschließend geklärt ist die Ursache bis heute nicht.
Einige Forscher vermuten, dass es sich dabei um ein vom Atemzentrum im verlängerten Mark, einem Teil des Hirnstamms, gesteuertes Programm handelt. Dieses soll sicherstellen, dass die Schleimhaut in der einen Nasenhälfte eine Ruhepause bekommt und sich regenerieren kann, nachdem sie die Atemluft stundenlang durchschnittlich 16 Mal pro Minute vorgewärmt, befeuchtet, von Staub und Fremdkörpern befreit und zum Zweck des besseren Riechens verwirbelt hat. In dieser Zeit übernimmt die Kollegin der anderen Seite die Arbeit, sodass immer eine Nasenhälfte arbeitet, während sich die andere von der Anstrengung erholt.
Was die Dauer jeder Phase anbelangt, kommen die Untersuchungen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Offensichtlich ist der zeitliche Wechsel von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Während sich die Nasenhälften bei dem einen alle zwei bis drei Stunden in ihrer Tätigkeit ablösen, kann es bei einem anderen zehn Stunden dauern, bis der Wechsel erfolgt. Erstaunlicherweise scheint die Zyklusdauer bei Linkshändern wesentlich kürzer zu sein als bei Rechtshändern. Warum, weiß niemand.
Aber was noch verblüffender ist: Wir riechen mit beiden Nasenlöchern unterschiedlich, wenn man der einen Nasenhälfte gezielt einen anderen Geruch anbietet als der anderen. Normalerweise strömt die Luft mit den darin enthaltenen Duftstoffen ja in beide Nasenlöcher – wenn auch in eines stärker als in das andere – und erreicht in beiden Nasenhälften die Riechschleimhaut. Die von dort ausgehenden Nervenimpulse verrechnet das Gehirn dann zu einem einheitlichen Geruchsempfinden. Als aber Wissenschaftler Teilnehmern einer Studie in beide Nasenlöcher zwei unterschiedlich riechende Substanzen bliesen, berichteten die Probanden übereinstimmend, jeweils nur einen der zwei Düfte zu riechen und nicht eine Mischung aus beiden. Vermutlich war das immer dasjenige Aroma, das die bei dem jeweiligen Teilnehmer gerade aktive Nasenhälfte durchströmt hatte.





