Im Durchschnitt steckt eine mit Sars-CoV-2 infizierte Person drei bis fünf andere Menschen an. Auf Bevölkerungsebene ist dieser sogenannte R-Wert wichtig, da er sich durch Schutzmaßnahmen wie Abstandsgebote und Maskentragen beeinflussen lässt. Je weniger nahe Kontakte eine infizierte Person hat, desto geringer ist auch die Gefahr, dass sie das Virus auf andere überträgt. Doch auch unabhängig vom individuellen Verhalten kann sich die Infektiosität von Person zu Person unterscheiden. Denn wie viele Viruspartikel im Rachen eines Menschen sind und von dort weitergegeben werden können, variiert erheblich. Lässt sich vorhersagen, wer besonders ansteckend ist? Sind beispielsweise bestimmte Altersgruppen infektiöser als andere oder lässt sich von der Schwere der Symptome auf die Infektiosität schließen?
Daten von über 25.000 Infizierten in Deutschland
Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen hat ein Team um Terry Jones unter der Leitung von Christian Drosten von der Charité Universitätsmedizin Berlin seit Beginn der Pandemie erhoben, wie hoch die Viruslast bei positiv auf das Coronavirus Getesteten ist. Zwischen Februar 2020 und April 2021 werteten sie fast eine Million Tests von über 415.000 Personen aller Altersgruppen aus. 25.381 Personen hatten mindestens einen positiven PCR-Test. Um abzuschätzen, wie viele Viruspartikel sich in ihrem Rachen befanden, analysierten die Forscher den sogenannten CT-Wert (Cycle Threshold) der PCR-Tests. Dieser gibt an, wie viele Vervielfältigungsdurchläufe bei der PCR notwendig waren, bis das Virusmaterial in der Probe nachweisbar war. Je weniger Durchläufe benötigt werden, desto höher die Viruslast.
Ihre Ergebnisse haben die Forscher nun in der Fachzeitschrift “Science” veröffentlicht. Die Auswertungen zeigen: Rund neun Prozent der Infizierten wiesen eine besonders hohe Viruslast von einer Milliarde Viruskopien oder mehr auf. Mehr als ein Drittel dieser potenziell hochinfektiösen Personen hatte keine oder nur milde Symptome. „Diese Daten liefern eine virologische Grundlage für die Beobachtung, dass nur eine Minderheit der Infizierten den größten Teil aller Übertragungen verursacht“, erklärt Drosten. „Dass sich hierunter so viele Menschen ohne relevante Krankheitssymptome finden, macht klar, warum Maßnahmen wie Abstandsregeln und die Maskenpflicht für die Kontrolle der Pandemie so wichtig sind.“
Kinder kaum weniger infektiös als Erwachsene
Unterschiede zwischen den Altersgruppen fanden sich kaum. Infizierte zwischen 20 und 65 Jahren hatten im Durchschnitt rund 2,5 Millionen Viruskopien im Rachen. Die niedrigste Viruslast hatten Kinder zwischen null und fünf Jahren. Bei ihnen fanden die Forscher durchschnittlich nur etwa 800.000 Erbgutkopien von Sars-CoV-2. Bei älteren Kindern und Jugendlichen glichen sich die Werte mit steigendem Alter denen der Erwachsenen an.





