Vielen Astronomen ist die Brisanz der aktuellen Entwicklungen auf unserem Planeten sicherlich besonders bewusst, denn atmosphärische und klimatische Bedingungen sind in der Planetenforschung ein wichtiger Gegenstand von Untersuchungen. Auch auf der diesjährigen – virtuellen – Jahreskonferenz der Europäischen Astronomischen Gesellschaft hat das Thema des irdischen Klimawandels offenbar zu intensiven Diskussionen unter den Teilnehmern gesorgt: Wie das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg (MPIA) berichtet, entstand daraus die Idee, sich die direkte Verbindung zwischen astronomischer Forschung und Klimakrise einmal näher zu betrachten. Die Ergebnisse haben die beteiligten Wissenschaftler nun in sechs Artikeln in der Zeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht. Sie wollen mit dieser Aktion verdeutlichen, dass alle – auch Wissenschaftler – von den Folgen des anthropogenen Klimawandels betroffen sind sowie eine Verantwortung tragen und etwas tun können.
Wie ein astronomisches Institut das Klima belastet
Wer Emissionen reduzieren will, sollte zunächst klären, wo sie konkret im eigenen Leben und der jeweiligen Tätigkeit anfallen, erklären die Astronomen. “Auch wir Astronomen sind für Emissionen durch fossile Brennstoffe verantwortlich. Wir müssen daher erst einmal herausfinden, woher die Emissionen stammen. Dann ergibt sich, wie wir auf Institutsebene, auf der Ebene der Gemeinschaft der Astronomen insgesamt oder auf gesamtgesellschaftlicher Ebene Maßnahmen ergreifen können, die zu einer wesentlichen Verminderung führen“, sagt Knud Jahnke vom MPIA. In einem der Artikel der Reihe haben er und seine Kollegen nun herausgearbeitet, welche CO2-Emissionen ihr Institut und die Tätigkeit der Mitarbeiter im Jahr 2018 verursacht hat.
Unterm Strich kamen sie auf jährliche 18 Tonnen Kohlendioxid pro Wissenschaftler allein für Forschungsaktivitäten. Zum Vergleich: Das ist fast doppelt so viel wie die derzeit durchschnittliche pro-Kopf-Kohlendioxid-Emission in Deutschland. Das ist somit auch weit an dem Ziel vorbei, das die Regierung für das Jahr 2030 mit 6,8 Tonnen pro Person anvisiert. Die Forscher stellten fest, dass zwei Faktoren den weitaus größten Anteil an den Emissionen bilden: die zahlreichen Interkontinentalflüge zur Teilnahme an Konferenzen oder zur Durchführung von Beobachtungsprogrammen an Observatorien in Nord- und Südamerika sowie der Stromverbrauch der Supercomputer.
Im Rahmen des Artikels geben die Forscher auch Empfehlungen, wie astronomische Institute ihre Emissionen reduzieren könnten. Eine davon ist die Verlagerung von Supercomputern an Standorte, an denen Strom überwiegend aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird. Da die Rechner eine starke Kühlung benötigen, sind dabei auch Standorte in klimatisch günstigen Regionen sinnvoll – Island wäre eine gute Wahl, sagen die Wissenschaftler. Die andere Maßnahme besteht in der drastischen Beschränkung der forschungsbezogenen Flüge.





