Klar ist, dass Kartierungen immer nur einen gegenwärtigen Sachverhalt wiedergeben können. Das Problem liegt aber bei ihrer Interpretation. Man sollte deshalb unbedingt die Einführung lesen, um sich Irritationen zu ersparen. Nach der Geschichte der geographisch-archäologischen Karten wird dort von den methodi‧schen Problemen berichtet; aufgrund der Mengenverteilung des Materials war etwa keine gleichmäßige und gleichwertige Behandlung aller einbezogenen Bereiche möglich.
Der Atlas ist in vier Zeiträume gegliedert: Alt- und Mittelsteinzeit (1,3 Millionen Jahre v. Chr. – 4000 v. Chr.), Jungsteinzeit (6000 – 2000 v. Chr.), Bronzezeit (2200 – 800 v. Chr.) und Eisenzeit (800 v. Chr. – Christi Geburt). Im ersten Abschnitt wird die früheste Besiedlung Europas dargestellt. Neben den anthropo‧logischen Befunden werden auch geographische und klimatische Veränderungen bis zur Mittelsteinzeit berücksichtigt und erste Belege für die Handlungen der Menschen zusammengestellt, etwa Höhlenkunst, Rohstoffbearbeitung, Jagdbelege und unterschiedliche Bestattungsriten.
Die Kartierungen der Jungsteinzeit bezeugen die „Neolithische Revolution“, mit vielen sonst eher vernachlässigten Details und Ausrichtungen. Sehr informativ ist das Kapitel „Europa in Zeitscheiben“; neun Karten machen den andauernden Wandel der Kulturräume, wie sie über die dortigen Funde definiert werden, deutlich.
Auch revolutionär sind die Folgen der technischen Erneuerungen durch die Erfindung der Bronze. Man sieht auf den Karten die Veränderung gegenüber dem Neolithikum nicht nur im handwerklichen, sondern auch im jetzt besser erkennbaren „politischen“ Bereich. Sehr gut dargestellt sind die zunehmende Bedeutung von Handel und Austausch und eine erkennbare Klassifizierung der Bevölkerung in den verschiedenen Kulturgruppen. Nachweisbare Handelswege, nun auch der Seeverkehr, steigern die Kontakte zu den entfernteren Hochkulturen.
Am umfangreichsten ist der letzte Abschnitt „Eisenzeit“, denn die verwertbaren Informationen für Kartierungen sind wesentlich reichhaltiger als in den vorhergegangenen Epochen. Vorgestellt werden materielle Befunde, etwa Kriegswesen, Trachten, Kunst und Architektur, daraus abgeleitet werden Erkenntnisse über Kult und Religion, Siedlungswesen, Mobilität und Veränderungen der Volksgruppen. Sehr hilfreich sind am Ende Register, Chronologietabellen und eine Kurzfassung der weiterführenden Literatur. Bedenkt man die Schwierigkeit des Unternehmens, so kann man die oft mit den Texten kaum zusammenhängenden und unfreiwillig ko-mischen Bildunterschriften verschmerzen wie etwa: „In Südosteuropa wird der Höhepunkt der Gesellschaften mit Siedlungshügeln erreicht“.
Rezension: Prof. Dr. Gerhard Hiesel




