Der Kosmos ist kalt, groß und unwirtlich. Und seit ihn die moderne Astrophysik in Beschlag genommen hat, ist er auch noch unverständlich. Der Laie liest von Deuteriumgehalt, Hubblekonstante und Bahn-Inklination, blickt zum nächtlichen Himmel – und versteht nichts. Ist da wer? Sterndeuter, Götter und Mythenschöpfer haben längst abgedankt, es herrscht der blanke Horror Vacui.
Aber nicht mit Dava Sobel. Die amerikanische Journalistin – bekannt geworden als Autorin des Bestsellers „Längengrad” – hat sich ihren Weltraum eingerichtet wie ein gemütliches Wohnzimmer. Da verdeckt die Schöpfungsgeschichte den schauerlichen Blick ins Nichts, da wärmt sich der Leser am Kaminfeuer der historischen Astronomie. Ein Marsbrocken plaudert aus seinem Leben, Venus, Jupiter und Saturn erstrahlen im milden Licht barocker Landschaftsmalerei, Mythologie und Kulturgeschichte versöhnen All und Mensch. Sobel scheut weder vor Gedichten und Anekdoten noch vor fiktiven Briefwechseln zurück.
Dava Sobel dienen Astrologie und Science-Fiction zur heimeligen Ausgestaltung ihres Refugiums. Das heißt keineswegs, dass sie in ihrem Buch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexe Zusammenhänge ausklammern würde. Nur macht sie dies auf so charmante, intelligente, bildhafte und unterhaltsame Weise, dass der Leser, der dem All zuvor in herzlicher Gleichgültigkeit verbunden war, unversehens zum Planetenfan konvertiert. Hans Schmidt
Dava Sobel DIE PLANETEN Berlin Verlag Berlin 2005 256 S., € 19,90 ISBN 3-8270-0267-2





