Ihre Gravitationskraft ist so stark, dass ihnen nicht einmal das Licht entkommt: Wegen ihrer spektakulären physikalischen Merkmale interessieren sich viele Menschen für die geheimnisvollen Schwarzen Löcher des Universums. So fand auch vor zwei Jahren eine Studie mediales Echo, in der Wissenschaftler von der Spur eines Schwarzen Lochs in unserer kosmischen Nachbarschaft berichteten. Im Visier des Forscherteams um Thomas Rivinius von der Europäischen Südsternwarte (ESO) stand dabei das etwa 1000 Lichtjahre von uns entfernte System HR 6819. Aus den mit dem 2,2-Meter-Teleskop der MPG/ESO gewonnenen Daten schlossen sie, dass es sich um ein spezielles Dreifachsystem handelt. Ihrer Interpretation zufolge besteht es aus einem Stern, der alle 40 Tage ein unsichtbares Objekt von etwa vier Sonnenmassen umkreist und einem zweiten Stern in einer viel weiteren Umlaufbahn. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der „dunkle Dritte“ ein stellares Schwarzes Loch sein müsste. So wurde es als das bisher erdnächste Schwarze Loch bekannt.
„Entdecker“ verbünden sich mit Zweiflern
Doch schon bald nach der Veröffentlichung meldeten andere Astronomen Zweifel an. Ihnen zufolge ließen sich die Daten, in denen Rivinius und seine Kollegen den gravitativen Einfluss des Schwarzes Lochs erkannten, auch anders interpretieren. Rivinius und seine Kollegen waren von diesen Reaktionen weder überrascht noch gekränkt: „Es ist nicht nur normal, sondern sollte auch so sein, dass Ergebnisse hinterfragt werden“, sagt Rivinius, „und ein Ergebnis, das Schlagzeilen macht, erst recht.“ Zu den Zweiflern gehörte auch ein Astronomenteam von der KU Leuven in Belgien: Julia Bodensteiner und ihre Kollegen zeigten für dieselben Daten eine weitere Erklärungsmöglichkeit auf: HR 6819 könnte demnach ein System mit nur zwei Sternen auf einer 40-tägigen Umlaufbahn sein. Dieses alternative Szenario ohne Schwarzes Loch würde allerdings voraussetzen, dass einer der Sterne vor astronomisch kurzer Zeit einen großen Teil seiner Masse an den anderen Stern verloren hat.
Um das Rätsel zu lösen, arbeiteten die beiden Teams dann schließlich zusammen – so konnten sie ihre Ressourcen und ihr Wissen bündeln, um die wahre Natur dieses Systems zu ergründen. „Wir hatten allerdings die Grenze der vorhandenen Daten erreicht, sodass wir eine andere Beobachtungsstrategie anwenden mussten, um zwischen den beiden möglichen Szenarien zu entscheiden“, sagt Abigail Frost von der KU Leuven, die die Studie des vereinigten Forscherteams geleitet hat. Die neuen Ergebnisse basieren dabei auf schärferen Beobachtungsdaten von HR 6819, die das Very Large Telescope (VLT) sowie das Very Large Telescope Interferometer (VLTI) der ESO geliefert haben.





