Vor etwa 4,6 Milliarden Jahren schuf eine Supernova-Explosion die Voraussetzung für unsere Existenz. Denn aus ihren Überresten entstand unser Sonnensystem. In etwa 300 Millionen Jahren wird im Zentrum der Milchstraße im Durchschnitt jedes Jahr solch eine Explosion stattfinden. Das schließen Astronomen vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics aus Beobachtungen im Submillimeterbereich. Chris Martin und Antony Stark stellten ihre Ergebnisse auf dem 200. Treffen der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Albuquerque vor.
Die Forscher beobachteten Molekülwolken im Zentrum der Milchstraße mit dem antarktischen Submillimeterteleskop AST/RO. “Der größte Teil der Materie in diesen Wolken ist sehr kalt. Statt sichtbares Licht gibt das Gas bei diesen niedrigen Temperaturen Strahlung im Submillimeterbereich ab”, erklärt Martin.
Kombiniert mit Daten aus Beobachtungen im Röntgenbereich und im Bereich des sichtbaren Lichts zeigen die AST/RO-Daten, dass die Gaswolken beinahe eine kritische Dichte erreicht haben. Bei Überschreiten dieser Dichte werden die Wolken in das Zentrum der Milchstraße fallen. Die dabei eintretende weitere Verdichtung wird zu einem dramatischen Anstieg von Sternengeburten führen.
“Viele der dabei entstehenden Sterne werden sehr massiv und kurzlebig sein”, sagt Martin. “Sie werden sehr schnell ihren Brennstoff verbrauchen und als Supernova explodieren. Derzeit können wir in unserer Milchstraße eine Supernova-Explosion pro Jahrhundert beobachten. Wenn die Verdichtung eintritt, werden wir eine Supernova pro Jahr sehen.” Aus den Überresten vieler dieser Supernova-Explosionen werden anschließend Sterne längerer Lebensdauer wie unsere Sonne hervorgehen.
Dieser Prozess wiederholt sich wahrscheinlich in einem Zyklus von 500 Millionen Jahren. Wenn das Gas in der Nähe des galaktischen Zentrums verbraucht ist, wird sich das weiter entfernte Gas verdichten und in Richtung des Zentrums fallen. Von diesem Geschehen “profitiert” auch das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße. Während Materie auf spiralförmigen Bahnen in das schwarze Loch fällt, stößt es an seinem Nord- und Südpol gewaltige Materiejets aus.
“Wir haben Glück, dass diese Jets senkrecht zur Milchstraßenebene ausgestoßen werden. Sonst würde die Erde alle 500 Millionen Jahre von jeglichem Leben sterilisiert”, sagt Stark.
Axel Tillemans





