Die Auswirkungen von Gezeitenkräften erleben wir auf der Erde täglich: Die Anziehungskraft des Mondes wirkt auf das Wasser der Ozeane und erzeugt Ebbe und Flut. Auch der Schwerkrafteinfluss der Sonne kommt zum Tragen, wenn auch wegen ihrer großen Entfernung eher in geringem Maße. Weit extremer ist es jedoch, wenn ein Planet deutlich näher um seinem Stern kreist, wie es bei vielen sogenannte heißen Jupitern der Fall ist – großen Gasplaneten, deren Umlaufbahnen sehr nahe am Stern liegen. Schon länger vermuten Astronomen, dass diese Nähe zu extremen Gezeitenkräften auf dem Planeten führt. Sie könnten so stark sein, dass sie den gesamten Planeten elliptisch auseinanderziehen und verformen. Bisher war es jedoch noch nie gelungen, diesen Effekt direkt zu beobachten.
Lichtkurven verraten Deformation
Um dies zu ändern, hat ein internationales Astronomenteam um Susana Barros von der Universität von Porto in Portugal gezielt einige heiße Jupiter mit dem Weltraumteleskop CHEOPS näher in Augenschein genommen. Dieses Teleskop ist darauf ausgelegt, die Lichtkurven von Planetentransits in hoher Auflösung aufzunehmen. Anhand der Lichtkurven können Astronomen dann auf wesentliche Eigenschaften der Exoplaneten schließen. Eines der Zielobjekte der Messkampagne war der Planet WASP-103b, ein heißer Jupiter im Sternbild Herkules, der etwa doppelt so groß und 1,5-mal so schwer ist wie Jupiter. Er umkreist einen Stern, der rund 200 Grad heißer und 1,7-mal größer ist als unsere Sonne – benötigt für einen Umlauf aber nur knapp einen Tag. WASP-103b ist seinem Stern damit etwa fünfzigmal näher als die Erde der Sonne.
“Wegen seiner großen Nähe zu seinem Stern hatten wir bereits vermutet, dass auf dem Planeten sehr große Gezeiten verursacht werden. Nachweisen konnten wir das bisher jedoch nicht”, erklärt Co-Autor Yann Alibert von der Universität Bern. Doch nachdem das Team zwölf Transits des Planeten mit CHEOPS analysiert hatte und zusätzlich Daten der Weltraumteleskope Hubble und Spitzer hinzuzog, änderte sich dies: Aus den Lichtkurven konnten sie entnehmen, dass WASP-103b verformt sein muss. Als Folge der starken Gezeitenkräfte ähnelt er eher einem elliptischen Rugbyball als einer Kugel. “Es ist unglaublich, dass CHEOPS diese kleine Deformation nachweisen konnte”, sagt Co-Autor Jacques Laskar vom Observatorium der Sorbonne-Universität in Paris. “Dies ist das erste Mal, dass eine solche Analyse durchgeführt wurde.”





