Wer arm ist, ist auch meist sozial benachteiligt und hat schlechtere Bildungschancen – das ist hinlänglich bekannt. Doch Armut wirkt sich auch auf die Gesundheit aus, selbst in eigentlich wohlhabenden Ländern wie Deutschland. So zeigen Studien, dass Menschen, die einen niedrigen sozioökonomischen Status haben, häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden. Sie sind häufiger fettleibig und erkranken öfter an Diabetes, Magengeschwüren und Lungenentzündungen. Aber auch seelische Krankheiten treten bei Menschen in Armut häufiger auf: Ein niedriger Sozialstatus kann zu Depressionen, Sucht und Angststörungen führen. Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass sich Armut in der Kindheit und Jugend auch auf die Gesundheit im späteren Leben auswirken kann.
Wie erinnert sich unser Körper an Armut in der Kindheit?
“Wir wissen schon seit langer Zeit, dass der sozioökonomische Status ein starker Einflussfaktor für die menschliche Gesundheit ist”, erklärt Erstautor Thomas McDade von der Northwestern University in Evanston. Aber die zugrundeliegenden Mechanismen, durch die sich unser Körper an die Erfahrungen der Armut ‘erinnert’, sind bisher nicht bekannt.” Um diese Frage zu klären, haben McDade und sein Team sich das Erbgut von Betroffenen und nicht Betroffenen näher angeschaut. Dabei ging es ihnen jedoch nicht um die DNA-Sequenz, sondern um das Epigenom – Anlagerungen von Methylgruppen an den Erbgutstrang, die die Genaktivität entscheidend beeinflussen. Denn dort, wo eine solche Kohlenwasserstoffgruppe an der DNA sitzt, blockiert sie das Ablesen der Gene.
Für ihre Studie analysierten die Forscher das Muster der epigenetischen Anlagerungen bei 489 Teilnehmern einer Langzeit-Gesundheitsstudie auf den Philippinen. Die Probanden waren junge Männer, von denen ein Teil ihre Kindheit und Jugend unter schlechten sozioökonomischen Verhältnissen verbracht hatten und die eine nur geringe Bildung erfahren hatten. Die Forscher verglichen, an wie vielen und welchen Stellen des Erbguts die Probanden jeweils Methylgruppen trugen und wie sich dieses Muster bei Männern aus benachteiligten und nicht benachteiligten Verhältnissen unterschied.
Klare Unterschiede im Epigenom
Tatsächlich zeigten sich deutliche Unterschiede im Epigenom, selbst wenn andere Einflussfaktoren mit berücksichtigt wurden. Insgesamt fanden die Wissenschaftler 2546 Stellen im Erbgut, an denen sich die Methylierung zwischen den in Armut aufgewachsenen Probanden und ihren aus besseren Verhältnissen stammenden Altersgenossen unterschied. An 1777 Stellen hatten die Probanden aus schlechteren sozioökonomischen Verhältnissen mehr Anlagerungen, an 769 weiteren DNA-Stellen dagegen weniger. Von diesen epigenetischen Veränderungen waren 1537 bekannte Gene betroffen. “Unsere Analysen haben eine Überrepräsentierung von Stoffwechselwegen identifiziert, die mit der Immunfunktion, der Skelettentwicklung und der Entwicklung des Nervensystems zusammenhängen”, berichten McDade und seine Kollegen.





