Einer Studie der Europäischen Weltraumbehörde ESA zufolge befinden sich im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter etwa 1,5 Millionen Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer. Das sind doppelt so viele als bisher angenommen. Das Ergebnis der Auswertung von Daten, die mit dem Infrarotbeobachtungssatelliten ISO aufgenommen wurden, veröffentlichen Edward Tedesco von TerraSystems und François-Xavier Desert vom Observatoire de Grenoble in der April-Ausgabe des Astronomical Journal (Bd. 123, S. 2070).
Die Diskrepanz zu früheren Schätzungen erklärt sich aus der Schwierigkeit, Asteroiden im Bereich des sichtbaren Lichts zu beobachten. Die Helligkeit der insgesamt sehr leuchtschwachen Asteroiden kann sich innerhalb weniger Minuten drastisch verändern, je nachdem in welchem Winkel das Sonnenlicht gerade von der Oberfläche des Asteroiden reflektiert wird.
Die infrarote Wärmeabstrahlung hängt dagegen nicht von der aktuellen Sonneneinstrahlung ab, sondern von der Wärme, die die Asteroidenoberfläche innerhalb der letzten Stunden von der Sonne aufgenommen hat. Sie ist deshalb gleichförmiger. Da aber die Erdatmosphäre für einen großen Teil der Wellenlängen der Infrarotstrahlung nicht durchlässig ist, sind Infrarotaufnahmen nur mit einem Satellitenteleskop möglich.
Den Forschern zufolge beeinflusst die neue Studie nicht die bisherigen Schätzungen über das Risiko der Erde, von einem Asteroiden getroffen zu werden. Man schätzt, dass die Erde alle 100.000 bis 300.000 Jahre von einem erdnahen Asteroiden (NEO) mit einem Durchmesser ab einem Kilometer getroffen wird. Die NEOs befinden sich auf stark elliptischen Bahnen, die der Erdbahn nahe kommen. Man geht davon aus, dass die NEOs ursprünglich Mitglieder des Asteroidengürtels waren, aber von Jupiters Schwerkraft auf ihre erdnahen Bahnen katapultiert wurden.
Axel Tillemans





