Antikörper sind die schärfste und präziseste Waffe unserer Immunabwehr. Denn diese maßgeschneiderten Peptidmoleküle sind hochspezifisch und lagern sich gezielt an bestimmten Strukturen auf der Oberfläche von Erreger an. Im Falle einer Infektion, beispielsweise mit Sars-CoV-2 erzeugt das Immunsystem verschiedene B-Zellen, die sich spezifische Merkmale jeweils eines kleinen Stücks von einem viralen Oberflächenprotein “gemerkt” haben. Jede dieser Zelllinien wird dann zu einer Antikörperfabrik, die massenhaft passende Antikörper für dieses eine Oberflächenmerkmal freisetzt. Dadurch kann das Blutplasma genesener Covid-19-Patienten hunderte leicht verschiedener Antikörper enthalten – und nur einige davon wirken neutralisierend. Das bedeutet, dass sie an einer Stelle der Virenoberfläche andocken, die den Eintritt des Virus in die Zelle verhindert oder auf andere Weise das Virus an der Vermehrung hindert.
Neutralisierende Antikörper identifiziert
Forscher suchen daher gezielt nach neutralisierenden Antikörpern gegen Sars-CoV-2, die das Virus möglichst effizient und ohne Nebenwirkungen ausschalten. Hat man solche Antikörper identifiziert, können sie im Labor in Massen vermehrt werden und dann als sogenannte monoklonale Antikörper gezielt zur Behandlung von Covid-19-Patienten eingesetzt werden. Wenn man sie gesunden Menschen wie beispielsweise Pflegekräften verabreicht, können sie diese als passive Immunisierung vor einer Infektion schützen. In den letzten Wochen haben mehrere Forscherteams erste vielversprechende Kandidaten identifiziert. An der TU Braunschweig hat das Corona Antibody Team (CORAT) bei der Durchmusterung von rund 6000 Antikörper-Kandidaten ein Immunglobulin identifiziert, das an das Spike-Protein von Sars-CoV-2 bindet. An der Universität Erlangen-Nürnberg haben Wissenschaftler bisher rund 20 Kandidaten gefunden. Ein Team an der Universität Utrecht stellte im Mai 2020 einen Antikörper vor, der ursprünglich gegen das eng verwandte Virus Sars-CoV gerichtet war, aber sich auch bei Sars-CoV-2 als neutralisierend erwies.
Von einem weiteren Kandidaten berichten nun Forscher um Thomas Rogers vom Scripps Institute in La Jolla. Sie haben dafür das Blutplasma von acht genesenen Covid-19-Patienten untersucht und daraus mehr als 1800 verschiedene Antikörper isoliert. Diese testeten sie in einer eigens entwickelten menschlichen Zelllinie darauf, ob sie die Coronavirusinfektion blockieren können. Zwei dieser Antikörper, die an der Rezeptorbindestelle des viralen Spike-Proteins ansetzen, erwiesen sich schon in geringen Konzentrationen von weniger als zwei Nanogramm pro Liter als effektiv neutralisierend. Einen davon testeten sie anschließend in verschiedenen Dosierungen auf die Schutzwirkung bei lebenden Hamstern. Dafür erhielten die Tiere erst eine Dosis des Antikörpers, zwölf Stunden später wurden sie über die Nase mit Sars-CoV-2 infiziert. Die beiden höchsten Antikörperdosen erwiesen sich als wirksam: Sie senkten die Virenlast in der Lunge der Tiere und verhinderten den erkrankungstypischen Gewichtsverlust. Das sei sehr vielversprechend, so die Forscher.





